Leiner-Haus: Verpasste Chance

Der „Leiner“ in der Mariahilfer Straße wird abgerissen – trotz des erst 2018 verschärften Gesetzes gegen Hausabbrüche und trotz Schutzzone. Ein neues Kaufhaus nach Plänen eines weltberühmten Architekturbüros wird an der Stelle des geschichtsträchtigen Altbaus errichtet. Dabei hätte das traditionsreiche Gründerzeitgebäude alles, was es für ein spannendes Wiener Kaufhaus braucht. Doch die Chance, dem Leiner-Haus seinen alten Glanz wiederzugeben, ist nicht genutzt worden.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Mariahilfer Straße: Das "Leiner-Haus" im Wandel der Zeit: um 1900 vs. 2019

Immo-Imperium schlägt zu

Signa kleckert nicht. Binnen weniger Jahre hat der Tiroler Investor René Benko ein riesiges Immobilienunternehmen aufgebaut und die Grenzen Österreichs dabei schon längst überschritten. Hierzulande ist vor allem die Übernahme des KaDeWe breit rezipiert worden.

Das legendäre Berliner Kaufhaus des Westens ist auch Vorbild für den Einkaufstempel in der Mariahilfer Straße. Doch anstatt einer Renovierung, wie beim deutschen KaDeWe, wird das alte Wiener Gebäude abgerissen.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Leiner-Haus: innen und außen renoviert (Foto: 2019)

Politik hilft beim Verkauf

Signa hat die riesige Immobilie beim Museumsquartier erst 2017 erworben. Dabei konnte das Unternehmen anscheinend auch auf tatkräftige Unterstützung von Bundeskanzler Sebastian Kurz und Justizminister Josef Moser zählen. Beide waren in der damaligen ÖVP-FPÖ-Koalition gerade frisch im Amt.

Die Rechercheplattform Addendum berichtete 2019:

Am Weihnachtsabend 2017 melden sich Finanzberater bei dem erfolgreichen Immobilieninvestor René Benko, um ihn für den Kauf einer Immobilie in bester Citylage zu gewinnen. Mariahilfer Straße 10–18, das Wiener Aushängeschild von Kika-Leiner (…) Der zweitgrößte Möbelhändler des Landes ist aufgrund von Bilanztricks seines weltweit agierenden Mutterkonzerns Steinhoff unverschuldet in finanzielle Schieflage geraten, rund 5.500 Mitarbeiter fürchten um ihre Löhne und Gehälter (…)

[Bundeskanzler] Sebastian Kurz und [Justizminister] Josef Moser lassen, so wird es später medial berichtet werden, zwischen den Weihnachtsfeiertagen eigens das zuständige Bezirksgericht aufsperren und einen leitenden Beamten aus dem Urlaub zurückholen, um diesen Benko-Deal grundbücherlich besichern zu lassen. Benko und seine Anwälte arbeiten sowieso rund um die Uhr, weil sie nur wenige Tage Zeit haben, um die 60 Millionen Euro (…) bereitzustellen.

Noch am 29. Dezember 2017 wird eine Tochterfirma einer von Benko gegründeten Privatstiftung als neue Eigentümerin mit Brief und Siegel eingetragen.

Doch es soll auch höhere Gebote für das Gebäude gegeben haben:

Kika-Leiner bzw. deren Mutterkonzern Steinhoff liegt kurz nach Weihnachten 2017 ein weiteres Offert für das architektonisch wertvolle Haus in der Mariahilfer Straße 10–18 vor (…) Diese österreichische Gesellschaft deponiert schriftlich, für das Gebäude 90 Millionen Euro auf den Tisch legen zu wollen, wie Addendum aus Bankenkreisen in Frankfurt und in London erfuhr (…)

Dass die Immobilie offenbar sehr günstig ihren Besitzer gewechselt hat, zeigt sich bei einem Blick ins Grundbuch: (…) Am 18. April 2018 lässt der Käufer, eine Firma im Eigentum einer Benko-Privatstiftung, für die Mariahilfer Straße 10–18 ein Pfandrecht der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in das Grundbuch eintragen. Dessen Höhe: 95 Millionen Euro.

WienSchauen kann diese Punkte natürlich nicht nachprüfen. An dieser Stelle soll es auch weniger um den Verkauf des Gebäudes gehen, sondern darum, was konkret baulich damit passiert. Und hier kommt das eigentliche Problem.

Tradition per Abrissbirne

Für die Mariahilfer Straße hat Signa hochschießende Pläne: Ein „innovatives Traditions-Warenhaus“, eine „Begegnungsstätte mit Mix aus Shopping, Gastronomie, Hotel und konsumfreien Zonen“ sollen entstehen. Auf dem Dach sieht der Entwurf des Architekturbüros O.M.A von Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas einen großen öffentlich zugänglichen Garten vor. Zudem sind zwei neue monumentale Eingänge geplant und vielleicht sogar ein Durchbruch zum Museumsquartier. Das neue „Landmark“ soll alle Stücke spielen. 400 Millionen Euro lässt sich Signa den Neubau kosten.

Doch bedeuten die Neubaupläne vor allen auch eines: Den Abriss des alten Leiner-Hauses. Obwohl explizit von einem neuen „Traditions-Warenhaus“ gesprochen wird, wird das vorhandene historische Gebäude nahezu restlos demoliert. Lässt sich Tradition so einfach aus dem Boden stampfen?

Baum und Leiner-Haus, Mariahilfer Straße, Wien, 7. Bezirk
Leiner-Haus: Das 1895 errichtete Gründerzeithaus wird abgerissen. (Foto: 2020)

Neubau: Fremdkörper im Ensemble?

Hinter den von Architekturbüro und Eigentümer präsentierten Superlativen verbirgt sich im Wesentlichen ein gigantischer Klotz aus Stahl und Glas, der die ortsübliche Architektursprache und Materialität (Ornamente, verputzte Fassaden) gekonnt ignoriert.

Ob Signa-Geschäftsführers Stadlhuber mit seinem „Anliegen, dass sich der Entwurf des Gewinner-Architekten gut in das Stadtbild integriert“, recht behalten wird? Immerhin wird die Fassade fast ausschließlich aus gewölbten Glaselementen bestehen, auch wenn die Visualisierung mehr an Naturstein denken lässt.

Rendering des KadeWe in Wien, Mariahilfer Straße
So wird das neue Kaufhaus aussehen (Rendering. © O.M.A.)

Innovativ oder Allerweltsarchitektur?

Doch wie innovativ und modern sind Glasfassaden, wo doch schon seit vielen Jahrzehnten oftmals uniforme Wolkenkratzer mit rundum glänzenden Mantel hochgezogen werden? Wie nachhaltig ist es, ein solches Gebäude zu heizen und vor allem in den immer heißeren Sommern zu kühlen? Und wie sieht es mit der Langlebigkeit aus? Lassen sich solche Glashäuser in einigen Jahrzehnten überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll renovieren? Oder werden sie dann gleich wieder abgerissen, wie so viele Bürogebäude der 1960er bis 80er heute?

Und nicht zuletzt: Könnte der geplante Neubau rein äußerlich nicht genauso in jeder anderen beliebigen Stadt stehen?

Rendering des Neubaus des Wiener KaDeWe in der Mariahilfer Straße
Mariahilfer Straße 18: geplanter Neubau (Rendering © O.M.A.)

Leiner-Haus erhaltenswert?

Bei Abrissen alter Gebäude haben Stadt und Behörden etwas mitzureden. Einerseits fällt das Leiner-Haus durch sein Alter (Baujahr 1895) unter das erst 2018 verschärfte Gesetz zum Schutz historischer Gebäude. Andererseits befindet sich das Haus in einer Schutzzone, die das für Wien typische Stadtbild vor Abbrüchen schützen soll. Erst wenn kein „öffentliches Interesse“ am Erhalt besteht, dürfen die Abbruchbagger auffahren. Dieses öffentliche Interesse bezieht sich im Wesentlichen auf den Zustand und die Bedeutung der Fassade.

Fassade in der Nachkriegszeit vereinfacht

Der Zustand der Fassade ist der kritische Punkt: Die Fassade des Leiner-Hauses ist nicht mehr ganz im Originalzustand. Anders als das alte Stiegenhaus im Inneren wurde das Äußere im Laufe der Zeit verändert. Vermutlich durch Bombenschäden oder bei einem Umbau in der Nachkriegszeit.

Trotzdem ist die eigentliche Bausubstanz noch weitgehend original und sogar frisch renoviert. Auch die alte Gliederung der Fassade ist nach wie vor deutlich zu erkennen:

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Die Fassade wurde in der Nachkriegszeit vereinfacht. Die Bausubstanz ist aber noch original. (Foto: 2019)

Prachtvolles Kaufhaus

Das Leiner-Haus hatte eine reiche Vergangenheit. Erbaut worden war es 1895, die Pläne entwarf der Architekt Friedrich Schachner (1841-1907). Hier eine Zeichnung aus dem Baujahr:

Zeichnung des Warenhauses "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien, Mariahilfer Straße 18, Leiner-Haus, KadeWe, Signa
Warenhaus "Zur großen Fabrik" - Zeichnung der Originalfassade ("Der Architekt", 1895, Bildteil, S. 42, ÖNB)

In Auftrag gegeben wurde der Bau von dem aus Belgien stammenden Unternehmer Stefan Esders. Die streng gegliederte und schmuckvolle Fassade entspricht dem damals üblichen Stil. Geradezu modern waren das Parterre und der 1. Stock mit ihren übergroßen Schaufenstern.

Ein Journalist, der das neu eröffnete Warenhaus 1896 besucht hatte, schrieb dazu:

Eine erschöpfende Ausstellung der großstädtischen Wintermode bietet das Etablissement von Stefan Esders „Zur großen Fabrik“ in der Mariahilferstraße 18. In den weiten Räumen des so vielseitigen Waarenhauses weist die Confectionsabtheilung eine fast universelle Exposition von Pelzen, Winterröcken, Menschikoffs [Mackintosh?], Anzügen und Schlafröcken auf. Auch der Damenmode ist nicht vergessen, denn es gibt Jaquets und Pelerinen zur Auswahl (…)

Nicht minder reichhaltig find die Schuh-, Wäsche- und Hutabtheilungen. Die Aufzählung aller Arten der ausgestellten Bekleidungsstücke würde den Umfang eines Ausstellungskataloges erfordern, da neben den bereits angeführten Hauptabtheilungen auch Nebenexpositionen von Regenschirmen und Stöcken, von Reiseplaids, von Handschuhen, Hosenträgern, Cravatten, Foulards, Strümpfen und dergleichen das Gesammtbild ergänzen.

1898 präsentierte Stefan Esders sein Warenangebot bei einer Ausstellung in der Rotunde im Prater. Auch Kaiser Franz Josef war zu Besuch:

Eine sehr interessante, aparte und sehenswerthe Exposition, welche in hohem Masse die Aufmerksamkeit Sr. Majestät des Kaisers fesselte (…) ist jene des Herrn Stefan Esders, des Inhabers der Firma „Zur grossen Fabrik“ (…)

Dabei zeigt ein Blick auf die Preistäfelchen, die an jedem einzelnen Objecte angeheftet sind, dass es bei einer gründlichen Geschäftskenntniss und bei solidem Streben immerhin möglich ist, zu relativ sehr billigen Preisen ebenso den Bedürfnissen des Arbeiters wie den des feinsten Elegants gerecht zu werden. Dies war auch das Ziel, das Stefan Esders vor Augen hatte, als er vor drei Jahren in Wien in der Mariahilferstrasse sein Etablissement „Zur grossen Fabrik“ eröffnete. Ein vorzüglicher Ruf ging ihm vom Auslande, wo er ähnliche, in grossartigem Style angelegte Waarenhäuser gegründet hatte, voraus, und dieser Ruf hat sich seither auch in Wien vollauf gerechtfertigt.

Die Ausstellung der „Grossen Fabrik“ in der Rotunde gibt ein anschauliches Bild der Bedeutung, Solidität und Leistungsfähigkeit dieses Etablissements (…) Herr Esders hatte auch die Ehre, dem Kaiser vorgestellt zu werden. Se. Majestät erkundigte sich eingehend um den Betrieb des grossartigen Unternehmens und sprach schliesslich dem Firmainhaber seine volle Anerkennung aus.

Historisches Stiegenhaus wird demoliert

Im Inneren des Leiner-Hauses hat sich noch ein bedeutender Teil der ursprünglichen Architektur erhalten. Das historische Stiegenhaus ist in Wien einzigartig – trotzdem wird es wahrscheinlich vollständig abgerissen. Die folgenden Aufnahmen (entstanden ca. 2017 oder früher) wurden WienSchauen anonym zugespielt:

Das Stiegenhaus wird sogar in einer Fachzeitschrift erwähnt (verfasst im Baujahr 1895):

Der Zusammenhang des Locales im Parterre mit demjenigen im ersten Stock wurde durch eine in diesem Hofe befindliche groß angelegte Treppe bewerkstelligt. Diese Treppe ist dreiarmig, bestehend aus einem breiteren Antrittsarm, einem Ruheplatz und zwei hufeisenförmig gestalteten, zum ersten Stock führenden Seitenarmen. Construiert ist dieselbe durchwegs in Eisen (…) Der Stufenbelag und die decorative Ausstattung, sowie die Balustrade, welche den Mittelhof umsäumt, sind aus Eichenholz hergestellt (…)

Abriss hätte verhindert werden können

Unter der ÖVP-FPÖ-Koalition kam es zum Verkauf des Leiner-Hauses. Die Pläne für den Neubau wurden während der rot-grünen Regierung in Wien vorgestellt. Der Abriss fällt in die rot-pinke Periode. Alle Parteien sind sich offenbar einig. Entsprechend hoch dürfte der Druck auf die Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) gewesen sein, die dem Abriss zustimmen musste.

Dass sich die Beamten gegen die Rathauskoalition stellen, erschien von Anfang an wenig wahrscheinlich, hätten sie doch damit gegen ihre direkten Vorgesetzten agieren müssen. Der politische Druck zur Durchsetzung des Abbruchs ist wohl nicht gerade klein gewesen. Zudem steht hinter den Neubauplänen ein Unternehmen mit einem Immobilienvermögen von über 14 Milliarden Euro, das seit 2018 auch Miteigentümer von Kurier und Krone ist.

Trotz allem wäre es rein rechtlich möglich gewesen, dem Abbruch die Zustimmung zu verweigern. Und das hätte sich auch begründen lassen, wurden doch schon wesentlich stärker veränderte und umgebaute Häuser neu in die Schutzzone aufgenommen, um sie langfristig vor Abbrüchen zu schützen.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Altbau des Leiner-Hauses in der Mariahilfer Straße (Foto: 2019)

Abriss vs. Erhalt: die schwankende Behörde

Die Behörden können auch bereits fix eingeplante Abrisse durchaus verhindern. So wurde 2018 der Abbruch des Gründerzeithauses Liechtensteinstraße 100-102 (9. Bezirk) untersagt. Das Gebäude ist erhalten geblieben und renoviert worden.

In vielen Fällen gab es aber eine Zustimmung zu Abbruch. In dieser Hinsicht ist ein ähnlicher Fall interessant, ebenfalls in der Mariahilfer Straße: Das sogenannte blaue Haus, ein Gründerzeithaus aus dem späten 19. Jahrhundert mit vereinfachter Fassade, wurde 2019 abgerissen, um Platz für ein Möbelhaus zu schaffen. Wie auch beim Leiner-Haus standen Regierung und Opposition hinter dem Abriss. Hätte sich eine kleine Magistratsabteilung wirklich gegen die Übermacht von Stadtregierung und Eigentümer IKEA stellen können?

Ebenfalls zum Abbruch freigegeben wurden beispielsweise 2020 ein Gründerzeithaus in Kalksburg (23. Bezirk) und 2003 ein riesiges Jugendstilhaus im 1. Bezirk (Wipplingerstraße 33).

Nur ein kleiner Teil der Fassade bleibt

Das Schicksal des Leiner-Hauses ist besiegelt. Nur ein kleiner Teil der Fassade an der Mariahilfer Straße 12-16 bleibt bestehen (Fotos unten).

Rekonstruktion wäre möglich gewesen

Im frühen 20. Jahrhundert war Wien eine Stadt der Kaufhäuser. Von den Traditionshäusern ist bis heute nicht viel übrig, woran der 2. Weltkrieg, der Nationalsozialismus und die Enteignungen der oftmals jüdischen Eigentümerfamilien einen großen Anteil haben. Einer der wenigen verbliebenen Namen ist Gerngross, wenngleich es das prachtvolle Kaufhaus von 1904 (Architektur: Fellner & Helmer) in dieser Form heute nicht mehr gibt.

Längst vergessen ist das Warenhaus Zur großen Fabrik von Stefan Esders. Und doch steht das Gebäude noch – nämlich als „Leiner“. Auch dieses alte Kaufhaus ist bald Geschichte.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Altbau des Leiner-Hauses in der Mariahilfer Straße 18 (Foto: 2019)

Bausubstanz erhalten, Dekor fehlt

Doch ist ein Totalabriss wirklich nötig? Hätte das Haus nicht nach historischen Plänen wiederhergestellt werden können?

Dass Rekonstruktion funktioniert, beweist das Beispiel Berlin, wo ein ganzes Schloss wiederhergestellt wird. Auch in FrankfurtDresden und Warschau werden Altstädte von Grund auf rekonstruiert. Über die Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus ganzer Stadtteile wird sich streiten lassen, doch wäre das im Fall des Leiner-Hauses auch gar nicht nötig. Nur ein wenig Fassadenschmuck und fertig ist das neue alte Haus. Und zweifellos günstiger als ein kompletter Neubau. Renoviert ist es ohnehin schon. Wäre also nicht ein Kompromiss zwischen Alt und Neu denkbar gewesen, anstatt einfach alles niederzureißen? 

Das Gebäude wurde zwar mehrfach umgebaut, aber ein Vergleich zeigt, dass es dabei mehr um äußerliche Details geht.

Die prominente Front zur Mariahilfer Straße, die für das Stadtbild von besonderer Bedeutung ist, hätte nach den Originalplänen rekonstruiert werden können. Dafür hätte sich der lange Gebäudeteil in der Seitengasse für einen Abriss und Neubau geeignet. Der geplante Dachgarten wäre weiterhin möglich gewesen, ebenso die großen neuen Eingangsportale. Dann hätte sich auch das gut erhaltene Stiegenhaus im Inneren retten lassen. Signa hätte damit wirklich an eine Wiener Tradition anknüpfen können.

Rekonstruktion funktioniert

Nach alten Plänen neu bauen – das ist ohne Weiteres möglich. Zwei Beispiele aus Wien, die zeigen, dass auch mit heutigen Techniken traditionelle Fassaden gebaut werden können:

Beispiel 1: Neuer Stuck auf altem Haus

Viele Häuser in Wien haben ihren historischen Fassadendekor durch die Zerstörungen des 2. Weltkriegs und die oft brutalen Sanierungsmaßnahmen der Nachkriegszeit eingebüßt. Zumindest eines dieser Häuser hat bei einer Sanierung im Jahr 2020 seine alte Fassade wieder bekommen (Details hier)Wenn eine Rekonstruktion hier möglich gewesen ist, dann ist es beim Leiner-Haus sicher nicht am Geld gescheitert.

Beispiel 2: Rekonstruktion am Schwarzenbergplatz

Früher war sogar die komplette Wiederherstellung kriegszerstörter Häuser durchaus ein Thema. Die im 2. Weltkrieg zerstörte Direktion der Staatsbahnen am Schwarzenbergplatz Nr. 3 stellte der Eigentümer auf Betreiben von Bürgermeister Helmut Zilk (1927-2008) wieder her. Von Grund auf, denn vom ursprünglichen Gebäude aus dem Jahr 1892 war nach 1945 nichts mehr da gewesen.

Früher war sogar die komplette Wiederherstellung kriegszerstörter Häuser durchaus ein Thema. Die im 2. Weltkrieg zerstörte Direktion der Staatsbahnen am Schwarzenbergplatz Nr. 3 stellte der Eigentümer auf Betreiben von Bürgermeister Helmut Zilk (1927-2008) wieder her. Von Grund auf, denn vom ursprünglichen Gebäude aus dem Jahr 1892 war nach 1945 nichts mehr da gewesen.

Kein Interesse am Erhalt des Leiner-Hauses

Die Wiener Stadtregierung scheint sich der Option einer Rekonstruktion nicht einmal bewusst gewesen zu sein. Und so blieb die Chance, dem Leiner-Haus seinen ursprünglichen Glanz zurückzugeben, ungenutzt. Im März 2021 beginnt der Abriss. Trotz Schutzzone und trotz erst 2018 verschärftem Gesetz zum Schutz alter Gebäude.

Kontakte zu Stadt & Politik

www.wien.gv.at
post@bv07.wien.gv.at
+43 1 4000 07114

Die Bezirksvorstehungen sind die politischen Vertretungen der einzelnen Bezirke. Die Partei mit den meisten Stimmen im Bezirk stellt den Bezirksvorsteher, dessen Aufgaben u.a. das Pflichtschulwesen, die Ortsverschönerung und die Straßen umfassen.

Die Bezirksvertretungen sind die Parlamente der Bezirke. Die Parteien in den Bezirksvertretungen werden von der Bezirksbevölkerung gewählt, meist gleichzeitig mit dem Gemeinderat. Jede Partei in einem Bezirk kann Anträge und Anfragen stellen. Findet ein Antrag eine Mehrheit, geht er als Wunsch des Bezirks an die zuständigen Stadträte im Rathaus. (Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Sitze in der Bezirksvertretung im Jänner 2021.)
+43 1 4000 81261
 
Vizebürgermeisterin und Stadträtin Kathrin Gaál untersteht die Geschäftsgruppe Wohnen. Zu dieser gehören u. a. die Baupolizei (kontrolliert die Einhaltung der Bauvorschriften u. dgl.), Wiener Wohnen (Gemeindewohnungen) und der Wohnfonds (Fonds für Neubau und Sanierung).

(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im Jänner 2021.)

Quellen und weitere Infos

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