Leiner-Haus: Verpasste Chance

Der „Leiner“ in der Mariahilfer Straße wurde abgerissen – trotz des erst 2018 verschärften Gesetzes gegen Hausabbrüche und trotz Schutzzone. Dabei hätte das traditionsreiche Gründerzeitgebäude alles gehabt, was es für ein spannendes Wiener Kaufhaus braucht. Doch die Chance, dem Leiner-Haus seinen alten Glanz wiederzugeben, wurde nicht genutzt.

Dieser Artikel wurde nach dem Erscheinen mehrfach aktualisiert (zuletzt im September 2025).

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Mariahilfer Straße: Das "Leiner-Haus" im Wandel der Zeit: um 1900 vs. 2019

Immo-Imperium schlägt zu

Signa kleckert nicht. Binnen weniger Jahre hatte der Tiroler Investor René Benko ein riesiges Immobilienunternehmen aufgebaut. Hierzulande ist vor allem die Übernahme des KaDeWe breit rezipiert worden. Das legendäre Berliner Kaufhaus des Westens war auch Vorbild für den Einkaufstempel in der Mariahilfer Straße. Doch anstatt einer Renovierung, wie beim deutschen KaDeWe, wurde das alte Wiener Gebäude abgerissen.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Leiner-Haus vor dem Abriss: innen und außen renoviert (Foto: 2019)

Tradition per Abrissbirne

Für die Mariahilfer Straße hatte Signa hochschießende Pläne: Ein „innovatives Traditions-Warenhaus“, eine „Begegnungsstätte mit Mix aus Shopping, Gastronomie, Hotel und konsumfreien Zonen“ sollten entstehen. Auf dem Dach sieht der Entwurf des Architekturbüros O.M.A von Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas einen großen öffentlich zugänglichen Garten vor. Zudem sind zwei neue monumentale Eingänge geplant und vielleicht sogar ein Durchbruch zum Museumsquartier. Das neue „Landmark“ soll alle Stücke spielen. 400 Millionen Euro wollte sich Signa den Neubau kosten lassen.

Doch bedeuteten die Neubaupläne vor allen auch eines: Den Abriss des alten Leiner-Hauses. Obwohl explizit von einem neuen „Traditions-Warenhaus“ gesprochen wurde, wurde das vorhandene historische Gebäude nahezu restlos demoliert. Lässt sich Tradition so einfach aus dem Boden stampfen?

Baum und Leiner-Haus, Mariahilfer Straße, Wien, 7. Bezirk
Leiner-Haus: Das 1895 errichtete Gründerzeithaus wurde 2021 abgerissen. (Foto: 2020)

Neubau: Fremdkörper im Ensemble?

Hinter den von Architekturbüro und Eigentümer präsentierten Superlativen verbirgt sich im Wesentlichen ein gigantischer Bau aus Stahl und Glas, der die ortsübliche Architektursprache und Materialität (Ornamente, verputzte Fassaden) ignoriert. Eingehalten hingegen werden Baulinie (Baufluchten) und die Höhe, da eine Umwidmung (Änderung des Bebauungsplans) nicht erfolgt ist. Die Fassade sollte fast ausschließlich aus gewölbten Glaselementen bestehen, auch wenn die Visualisierung mehr an Naturstein denken lässt. In jedem Fall wurde für den Entwurf sicherlich tief in die Tasche gegriffen, denn es wurde kein geringeres Büro als das vom weltbekannten Architekten Rem Koolhaas beauftragt. Das Anliegen von Signa-Geschäftsführer Stadlhuber war, dass „sich der Entwurf des Gewinner-Architekten gut in das Stadtbild integriert.“ 

Rendering des KadeWe in Wien, Mariahilfer Straße
So sollte das neue Kaufhaus aussehen. (Rendering: © O.M.A.)

Innovativ oder Allerweltsarchitektur?

Doch wie innovativ und modern sind Glasfassaden, wo doch schon seit vielen Jahrzehnten oftmals uniforme Wolkenkratzer mit rundum glänzenden Mantel hochgezogen werden? Und wie sieht es mit der Langlebigkeit aus? Lassen sich solche Glashäuser in einigen Jahrzehnten überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll renovieren? Oder werden sie dann gleich wieder abgerissen, wie so viele Bürogebäude der 1960er bis 1980er heute? Und nicht zuletzt: Könnte der geplante Neubau rein äußerlich nicht genauso in jeder anderen Stadt stehen?

Rendering des Neubaus des Wiener KaDeWe in der Mariahilfer Straße
Mariahilfer Straße 18: geplanter Neubau (Rendering © O.M.A.)

Leiner-Haus erhaltenswert?

Bei Abrissen alter Gebäude haben Stadt und Behörden etwas mitzureden. Einerseits fiel das Leiner-Haus durch sein Alter (Baujahr 1895) unter das 2018 verschärfte Gesetz zum Schutz historischer Gebäude. Andererseits befand es sich in einer Schutzzone, die das für Wien typische Stadtbild vor Abbrüchen schützen soll. Erst wenn kein „öffentliches Interesse“ am Erhalt besteht, dürfen die Abbruchbagger in solchen Fällen auffahren. Dieses öffentliche Interesse bezieht sich im Wesentlichen auf den Zustand und die Bedeutung der Fassade.

Fassade in der Nachkriegszeit vereinfacht

Der Zustand der Fassade war der kritische Punkt: Sie war nicht mehr ganz im Originalzustand. Anders als das alte Stiegenhaus im Inneren wurde das Äußere im Laufe der Zeit stark verändert. Standen Bombenschäden oder Umbauten in der Nachkriegszeit dahinter?

Trotzdem war die eigentliche Bausubstanz wohl noch weitgehend original und die Fassade sogar frisch renoviert. Auch die alte Gliederung der Fassade war noch unmittelbar vor dem Abriss zu erkennen:

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Die Fassade war in der Nachkriegszeit vereinfacht worden. (Foto: 2019)

Prachtvolles Kaufhaus

Das Leiner-Haus hatte eine reiche Vergangenheit. Erbaut worden war es 1895, die Pläne entwarf der Architekt Friedrich Schachner (1841-1907).

Zeichnung des Warenhauses "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien, Mariahilfer Straße 18, Leiner-Haus, KadeWe, Signa
Warenhaus "Zur großen Fabrik" - Zeichnung der Originalfassade ("Der Architekt", 1895, Bildteil, S. 42, ÖNB)

In Auftrag gegeben worden war der Bau von dem aus Belgien stammenden Unternehmer Stefan Esders. Die gegliederte Fassade entsprach dem damals üblichen Stil. Geradezu modern waren das Parterre und der 1. Stock mit den großen Schaufenstern.

Ein Journalist, der das neu eröffnete Warenhaus 1896 besucht hatte, schrieb dazu:

Eine erschöpfende Ausstellung der großstädtischen Wintermode bietet das Etablissement von Stefan Esders „Zur großen Fabrik“ in der Mariahilferstraße 18. In den weiten Räumen des so vielseitigen Waarenhauses weist die Confectionsabtheilung eine fast universelle Exposition von Pelzen, Winterröcken, Menschikoffs [Mackintosh?], Anzügen und Schlafröcken auf. Auch der Damenmode ist nicht vergessen, denn es gibt Jaquets und Pelerinen zur Auswahl (…)

Nicht minder reichhaltig find die Schuh-, Wäsche- und Hutabtheilungen. Die Aufzählung aller Arten der ausgestellten Bekleidungsstücke würde den Umfang eines Ausstellungskataloges erfordern, da neben den bereits angeführten Hauptabtheilungen auch Nebenexpositionen von Regenschirmen und Stöcken, von Reiseplaids, von Handschuhen, Hosenträgern, Cravatten, Foulards, Strümpfen und dergleichen das Gesammtbild ergänzen.

1898 präsentierte Stefan Esders sein Warenangebot bei einer Ausstellung in der Rotunde im Prater. Auch Kaiser Franz Josef war zu Besuch:

Eine sehr interessante, aparte und sehenswerthe Exposition, welche in hohem Masse die Aufmerksamkeit Sr. Majestät des Kaisers fesselte (…) ist jene des Herrn Stefan Esders, des Inhabers der Firma „Zur grossen Fabrik“ (…)

Dabei zeigt ein Blick auf die Preistäfelchen, die an jedem einzelnen Objecte angeheftet sind, dass es bei einer gründlichen Geschäftskenntniss und bei solidem Streben immerhin möglich ist, zu relativ sehr billigen Preisen ebenso den Bedürfnissen des Arbeiters wie den des feinsten Elegants gerecht zu werden. Dies war auch das Ziel, das Stefan Esders vor Augen hatte, als er vor drei Jahren in Wien in der Mariahilferstrasse sein Etablissement „Zur grossen Fabrik“ eröffnete. Ein vorzüglicher Ruf ging ihm vom Auslande, wo er ähnliche, in grossartigem Style angelegte Waarenhäuser gegründet hatte, voraus, und dieser Ruf hat sich seither auch in Wien vollauf gerechtfertigt.

Die Ausstellung der „Grossen Fabrik“ in der Rotunde gibt ein anschauliches Bild der Bedeutung, Solidität und Leistungsfähigkeit dieses Etablissements (…) Herr Esders hatte auch die Ehre, dem Kaiser vorgestellt zu werden. Se. Majestät erkundigte sich eingehend um den Betrieb des grossartigen Unternehmens und sprach schliesslich dem Firmainhaber seine volle Anerkennung aus.

Historisches Stiegenhaus entfernt

Im Inneren des Leiner-Hauses hatte sich ein bedeutender Teil der ursprünglichen Architektur erhalten. Das historische Stiegenhaus war in Wien einzigartig – trotzdem wurde es demontiert. Die folgenden Aufnahmen wurden WienSchauen anonym zugespielt:

Das Stiegenhaus fand sogar in einer Fachzeitschrift Erwähnung (verfasst im Baujahr 1895):

Der Zusammenhang des Locales im Parterre mit demjenigen im ersten Stock wurde durch eine in diesem Hofe befindliche groß angelegte Treppe bewerkstelligt. Diese Treppe ist dreiarmig, bestehend aus einem breiteren Antrittsarm, einem Ruheplatz und zwei hufeisenförmig gestalteten, zum ersten Stock führenden Seitenarmen. Construiert ist dieselbe durchwegs in Eisen (…) Der Stufenbelag und die decorative Ausstattung, sowie die Balustrade, welche den Mittelhof umsäumt, sind aus Eichenholz hergestellt (…)

Abriss hätte verhindert werden können

Unter der ÖVP-FPÖ-Koalition kam es zum Verkauf des Leiner-Hauses. Die Pläne für den Neubau wurden während der rot-grünen Regierung in Wien vorgestellt. Der Abriss fiel in die rot-pinke Periode. Entsprechend hoch dürfte der Druck auf die Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) gewesen sein, die dem Abriss zustimmen musste.

Dass sich die Beamten gegen die Rathauskoalition stellen würden, erschien von Anfang an wenig wahrscheinlich, hätten sie doch damit gegen ihre direkten Vorgesetzten agieren müssen. Der politische Druck zur Durchsetzung des Abbruchs war wohl nicht gerade klein. Zudem stand hinter den Neubauplänen mit Signa ein Unternehmen mit einem Immobilienvermögen von über 14 Milliarden Euro, das 2018 auch Miteigentümer von Kurier und Krone wurde.

Trotz allem wäre es möglich gewesen, dem Abbruch die Zustimmung zu verweigern. Das hätte sich auch begründen lassen, wurden doch schon wesentlich stärker veränderte und umgebaute Häuser neu in die Schutzzone aufgenommen, um sie langfristig vor Abbrüchen zu schützen.

Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Altbau des Leiner-Hauses in der Mariahilfer Straße (Foto: 2019)

Abriss vs. Erhalt: die schwankende Behörde

Die Behörden können auch bereits eingeplante Abrisse durchaus verhindern. So wurde 2018 der Abbruch des Gründerzeithauses Liechtensteinstraße 100-102 (9. Bezirk) untersagt. Das Gebäude ist erhalten geblieben und renoviert worden. In vielen Fällen gab es aber eine Zustimmung zu Abbrüchen. In dieser Hinsicht ist ein ähnlicher Fall interessant, ebenfalls in der Mariahilfer Straße: Das sogenannte blaue Haus, ein Gründerzeithaus aus dem späten 19. Jahrhundert mit stark vereinfachter Fassade, wurde 2019 abgerissen, um Platz für ein Möbelhaus zu schaffen. Wie auch beim Leiner-Haus standen Regierung und Opposition hinter dem Abriss. Hätte sich eine kleine Magistratsabteilung wirklich gegen die Übermacht von Stadtregierung und Eigentümer IKEA stellen können? Ebenfalls zum Abbruch freigegeben wurden beispielsweise 2020 ein Gründerzeithaus in Kalksburg (23. Bezirk) und 2003 ein riesiges Jugendstilhaus im 1. Bezirk (Wipplingerstraße 33).

Historischer Fassadenrest

Ein kleiner Teil einer alten Fassade ist immer noch da. Er wurde nicht abgerissen und steht heute immer noch.

Leiner, Mariahilfer Straße 12-16, Wien-Neubau
bleibt erhalten: Fassade in der Mariahilfer Straße 12-16 (Foto: 2019)

Rekonstruktion wäre möglich gewesen

Im frühen 20. Jahrhundert war Wien eine Stadt der Kaufhäuser. Von den Traditionshäusern ist bis heute nicht viel übrig, woran der Zweite Weltkrieg, der Nationalsozialismus und die Enteignungen der oftmals jüdischen Eigentümerfamilien einen großen Anteil haben. Einer der wenigen verbliebenen Namen ist Gerngross, wenngleich es das prachtvolle Kaufhaus von 1904 (Architektur: Fellner & Helmer) in dieser Form heute nicht mehr gibt. Längst vergessen ist das Warenhaus Zur großen Fabrik von Stefan Esders. Und doch stand das Gebäude noch bis 2021 – nämlich als „Leiner“.

 
Leiner, Mariahilfer Straße, ehemaliges Warenhaus "Zur großen Fabrik" von Stefan Esders, Wien-Neubau
Altbau des Leiner-Hauses in der Mariahilfer Straße 18 (Foto: 2019)

Bausubstanz erhalten, Dekor fehlte

War ein Totalabriss wirklich nötig? Hätte das Haus nicht nach historischen Plänen wiederhergestellt werden können? Dass Rekonstruktion funktioniert, beweist das Beispiel Berlin, wo ein ganzes Schloss wiederhergestellt wird. Auch in FrankfurtDresden und Warschau werden Altstädte von Grund auf rekonstruiert. Über die Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus ganzer Stadtteile wird sich streiten lassen, doch wäre das im Fall des Leiner-Hauses gar nicht nötig gewesen. Nur ein wenig Fassadenschmuck und fertig wäre das neue alte Haus gewesen. Zweifellos auch günstiger als ein kompletter Neubau. Renoviert war es ohnehin schon. Wäre also nicht ein Kompromiss zwischen Alt und Neu denkbar gewesen, anstatt alles niederzureißen?

Die prominente Front zur Mariahilfer Straße, die für das Stadtbild von besonderer Bedeutung ist, hätte nach den Originalplänen nachgebaut werden können. Der geplante Dachgarten wäre weiterhin möglich gewesen. Damit hätte sich auch das gut erhaltene Stiegenhaus retten lassen. Das Gebäude wurde zwar mehrfach umgebaut, aber ein Vergleich zeigt, dass es dabei eigentlich mehr um äußerliche Details geht:

Rekonstruktion funktioniert

Viele Häuser in Wien haben ihren historischen Fassadendekor durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs oder die oft brutalen Sanierungsmaßnahmen der Nachkriegszeit eingebüßt. Jahrzehnte später werden die fehlenden Fassaden manchmal sogar rekonstruiert. Beispiele: Schimmelgasse 7 (3. Bezirk), Gaudenzdorfer Gürtel 47 (12. Bezirk). Wenn eine Rekonstruktion hier möglich gewesen ist, scheiterte es beim Leiner-Haus sicher nicht am Geld. Früher war sogar die komplette Wiederherstellung kriegszerstörter Häuser durchaus ein Thema. Die zerstörte Direktion der Staatsbahnen am Schwarzenbergplatz Nr. 3 stellte der Eigentümer auf Betreiben des Bürgermeisters wieder her. Von Grund auf, denn vom ursprünglichen Gebäude aus dem Jahr 1892 war nach 1945 nichts mehr da.

Kein Interesse am Erhalt des Leiner-Hauses

Die Wiener Stadtregierung schien sich der Option einer Rekonstruktion nicht einmal bewusst gewesen zu sein. So blieb die Chance, dem Leiner-Haus seinen ursprünglichen Glanz zurückzugeben, ungenutzt. Im Frühjahr 2021 begann der Abriss. Trotz Schutzzone.

Hier die letzten Fotos vom intakten Leiner-Haus:

Abriss

Im Mai 2021 erfolgte der Abriss des Gebäudes. Das Stiegenhaus war vorher ausgebaut und verkauft worden.

2023: Rohbau fertig

Ende 2023 stand der Rohbau, doch herrschte danach Stillstand auf die Baustelle. Entwickler Signa war in massive wirtschaftliche Turbulenzen geraten.

2024: Stillstand

Mit der Insolvenz von Signa wurden in der Mariahilfer Straße 18 alle Bauarbeiten eingestellt. Vom geplanten Kaufhaus Lamarr stand somit nur der Rohbau.

Rohbau verkauft

Im Oktober 2024 kaufte der Wiener Investor Georg Stumpf den Rohbau des Lamarr um 100 Millionen Euro.[1]

Der neue Eigentümer könne das Projekt im Prinzip weiterbauen (…) Für eine Abwandlung hin zu einer Büronutzung etwa braucht es eine Bewilligung. Zulässig seien Büros angesichts einer Widmung für gemischte Nutzung sehr wohl, wird im Rathaus betont. (…) Um Geschäfte wird der neue Betreiber aber ebenfalls nicht ganz herumkommen. Solche sind im Erdgeschoß einzurichten, da das Objekt in einer Geschäftszone liegt. Auch an der öffentlich zugänglichen, begrünten Dachterrasse kann nicht gerüttelt werden. Vereinbart wurde dort ein Nutzungsrecht (Servitut). Laut Büro Gaal ist keine Fertigstellungsanzeige möglich, wenn dies nicht eingehalten wird. [2]

2025: Rohbau wird abgerissen

Nachdem eine Änderung des Bauprojekts bekanntgegeben wurde, begannen die Abrissarbeiten am Rohbau. Nur ein Teil bleibt bestehen, der Rest wird abgerissen und neu gebaut. Bestehen bleibt auch der historische Fassadenrest an der Mariahilfer Straße.

Das geplante Hotel im hinteren Gebäudeteil und die öffentlich zugängliche Dachterrasse sind weiterhin Teil des Nutzungskonzepts. Die Terrasse muss umgesetzt werden, da dort ein Nutzungsrecht (…) vereinbart wurde (…)

Der Abriss bzw. Rückbau ist ganz ohne Genehmigung möglich. Auch eine Änderung des Nutzungskonzepts ist erlaubt, da die Widmung in diesem Gebiet auch Wohnnutzung zulässt. Nötig ist nur ein eigenes Bauansuchen. Allerdings sind Handelsflächen in den unteren Etagen notwendig, da das Objekt in einer Geschäftszone liegt. (…) Laut dem neuen Eigentümer ist konkret vorgesehen, auf rund 12.000 Quadratmetern im Untergeschoß, Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß Verkaufsflächen zu errichten. Darüber sollen auf 15.500 Quadratmetern 200 Wohnungen mit Freiflächen entstehen. Im hinteren Gebäudeteil soll ein Hotel mit 220 Zimmern einziehen. [3]

Das ganze Projekt verkommt damit zu einer Verschwendung, die ihresgleichen sucht: Zuerst wird ein intaktes Gebäude abgerissen, dann wird ein Rohbau errichtet, woraufhin auch dieser Rohbau zum Teil abgerissen wird, um einen neuen Rohbau zu errichten. Das künftige Gebäude wird damit – im Sinne der Ressourcen – das vielleicht unnachhaltigste Haus in ganz Wien.

Quellen und weitere Infos

WienSchauen.at ist eine unabhängige und nicht-kommerzielle Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum. Sie können mich hier erreichen. WienSchauen hat auch einen Newsletter:

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