Bestürzende Neubauten

Otto Wagner, Heinrich von Ferstel, Theophil Hansen – sie und viele andere haben Wien zu dem gemacht, wie wir es heute kennen. Die Wiener Architektur des 19. Jahrhundert, der Jahrhundertwende und der Zwischenkriegszeit wird international hoch geschätzt und ist ein Grund dafür, warum so viele Menschen die Stadt Jahr für Jahr besuchen.

Einhundert Jahre später haben sich die Baustile entschieden verändert. Im Neubau dominiert oft die Farbe Grau, die Fassaden sind meist glatt und schmucklos, Anleihen an historische Vorbilder passé. Neue Gebäude werden zuweilen lieblos in jahrhundertealte Stadtviertel geklotzt, selbst bei der Form und Anordnung der Fenster ist Rücksicht auf das Umfeld eine Seltenheit. Und während früher Gusseisen und das bekannte 50er-Jahre-Grün zum Einsatz kamen, sind Gitter und Balkone heute aus silbergrauem Stahl. Wie werden die Menschen wohl in hundert Jahren über die Bauten der Jahrtausendwende und die Architektur unserer Zeit denken?

Auf dieser Seite finden sich Beispiele von Gebäuden, die ab den 1990ern in Wien errichtet wurden.

Warum sehen diese Gebäude so aus, wie sie nun einmal aussehen? Dazu einige Anmerkungen:

  • Die Wiener Bauordnung kennt de facto keinerlei Vorschriften für die äußere Gestaltung von Bauwerken.
  • Einen unabhängigen und transparenten Gestaltungsbeirat, der Entwürfe prüft und ggf. auch ändern/verbessern kann, gibt es in Wien nicht.
  • Selbst in historischen Häuserensembles und in Schutzzonen darf quasi völlig beliebig gebaut werden.
  • Die Baukultur ist Ostösterreich und speziell in Wien auf einem sehr niedrigen Niveau.
  • Bauherren sind an einer hochwertigen Gestaltung oft nicht interessiert, da das mit Mehrkosten verbunden ist.
  • Eigentümer und Investoren akzeptieren häufig niedrige gestalterische Qualität. Vielfach werden die Gebäude ohnehin rasch verkauft. Daher ist das Interesse, in langfristig attraktive Architektur zu investieren, oft gering.
  • Manchmal sind auch Architekten bzw. Baumeister das Problem, denn ihnen fehlt zuweilen die Fertigkeiten und das Wissen, wie gute Gestaltung aussehen kann.
  • Durch den Druck von Bauträgern, möglichst kostengünstig zu bauen, haben auch sehr fähige Architekturbüros meist nur wenig Spielraum.
  • Eine Flut an technischen Normen erschwert und verteuert das Bauen, sodass für eine hochwertige Architektur oft keine finanziellen Mitteln übrig bleiben.
  • Schlechte Gestaltung von Gebäuden ist ein Problem, das jahrzehnte- oder gar jahrhundertelang nachwirkt. Denn Häuser haben oft eine lange Lebensdauer.

Wo gibt es noch bestürzende Neubauten? Hinweise und Fotos bitte an: georg.scherer@wienschauen.at

Kontakte zu Stadt & Politik

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Vizebürgermeisterin und Stadträtin Kathrin Gaál untersteht die Geschäftsgruppe Wohnen. Zu dieser gehören u. a. die Baupolizei (kontrolliert die Einhaltung der Bauvorschriften u. dgl.), Wiener Wohnen (Gemeindewohnungen) und der Wohnfonds (Fonds für Neubau und Sanierung).
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Der amtsführendenden Stadträtin untersteht die Geschäftsgruppe Innovation, Stadtplanung und Mobilität. Diese ist u. a. zuständig für die Flächenwidmungs- und Bebauungspläne (Innen-Südwest, Nordost), Stadtentwicklung und Stadtplanung und Architektur und Stadtgestaltung (einschließlich der Festsetzung von Schutzzonen gegen Hausabrisse).

(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)

WienSchauen.at ist eine unabhängige, nicht-kommerzielle und ausschließlich privat finanzierte Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum.

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