Kochgasse 13: Ein Haus bekommt sein Kleid zurück

Alt-Wien kehrt nicht wieder. Aber manchmal kommt doch ein Stück vergangenes Wien wieder zurück – zumindest in Form einer wiederhergestellten Fassade. So geschehen in der Josefstadt. Bei dem Haus an der Ecke Kochgasse/Laudongasse wurde der fehlende Fassadenschmuck bei der Sanierung wiederhergestellt. Seit Ende 2021 erstrahlt das 1894 errichtete Gebäude wieder in neuem Glanz.

Gründerzeithaus vor und nach der Sanierung
Das Gründerzeithaus in der Kochgasse 13 im 8. Bezirk wurde 2021 saniert. (Foto links: 1997, MA 19/Stadt Wien; rechts: 2021)

Historischer Fassadenschmuck nicht erhalten

Bei vielen Altbauten in Wien fällt auf, dass etwas fehlt. Es sind jene Gründerzeithäuser, die auf den ersten Blick wie typische Gebäude aus der Nachkriegszeit erscheinen, wären da nicht die beachtlichen Raumhöhen. Wo heute manchmal nicht viel mehr als eine glatte Fassade und ein strenger Fensterraster geblieben ist, prangte einst nicht selten üppiger Dekor (Beispiel: Staudgasse 61 in Währing). Manchmal hat sich zumindest noch die Originalausstattung im Inneren erhalten (Stiegenhaus, Eingangsbereich, Türen).

Der fehlende Fassadenschmuck ist oft auf Kriegszerstörungen und einen vereinfachten Wiederaufbau zurückzuführen. Meist aber auf unsanfte Renovierungsmaßnahmen in der Nachkriegszeit, als systematisch Stuck von den Häuser abgeschlagen wurde. Geschuldet war das auch dem veränderten Architekturgeschmack jener Zeit – glatte Fassaden, funktionale Gestaltung, keine Ornamente. In Summe eine verhängnisvolle Zeit für das bauhistorische Erbe Wiens. Besonders häufig sind Entstuckungen außerhalb des Gürtels zu finden, aber beispielsweise auch massenhaft im 5. Bezirk.

Auch in der noblen Josefstadt fehlen heute bei vielen Häusern die Ornamente. Auf den Fotos unten ist die Laudongasse beim Volkskundemuseum zu sehen, dahinter das Haus Kochgasse 13. Bereits am ersten Foto von 1977 ist der fehlende Dekor auffällig.

Schöner durch Sanierung

Jahrzehntelang hatte sich das Gebäude äußerlich wohl kaum verändert. Bis zur Sanierung im Jahr 2021. Dabei ließ der Eigentümer auch die Fassade rekonstruieren (siehe unten).

Hier die Fassade zur Kochgasse vor der Sanierung:

Nach der Sanierung:

Gründerzeitfassade, rekonstruierter Dekor, Wien
Kochgasse 13 mit rekonstruierter Fassade (Foto: 2021)

Die nächsten Fotos zeigen die Ansicht in der Laudongasse. Hier ist die Aufwertung besonders deutlich.

Auch der nächste Vergleich zeigt die Laudongasse.

2016 hat es in der Laudongasse so ausgesehen:

Laudongasse, Straßenbahn der Linie 5, Volkskundemuseum
Laudongasse, Kochgasse 13 (Foto: 2016, Kurt Rasmussen)

Laudongasse an der Ecke zur Kochgasse im Jahr 2018:

2021 wurde das Gebäude gründlich saniert:

Erdgeschoß wiederhergestellt

Auch das Erdgeschoß wurde rekonstruiert. An der Ecke ist auch heute Platz noch für ein Geschäftslokal. Wie typisch für die Gründerzeit ist das Erdgeschoß also teilweise nutzungsoffen gebaut. In Kombination mit den hohen Räumen wird so die Flexibilität von Altbauten deutlich: Die Gebäude lassen sich immer wieder für neue Nutzungen adaptieren (Wohnungen, Büros, Arztpraxen, Ateliers, Hotelzimmer). Das ist auch im 21. Jahrhundert richtig modern.

Rekonstruktion nach alten Plänen?

Wie hat das Haus früher wirklich ausgesehen? Bisher hat sich nur ein einzelnes Foto finden lassen (siehe unten). Seit der Rekonstruktion sieht das Haus fast wie früher aus. Vielleicht wurde dabei auf die alten Pläne zurückgegriffen.

Wer die Rekonstruktion in Auftrag gegeben hat, ist WienSchauen nicht bekannt (falls er/sie genannt werden möchte, bitte hier melden). Seit der Rekonstruktion passt das Gebäude auch wieder nahtlos in die gut erhaltene Umgebung. Auf der Aufnahme unten ist rechts das Haus Laudongasse 25 zu sehen, ein 1891 errichteter Historismusbau mit besonders ausgeklügeltem Dekor. Das Haus Kochgasse 13 (links) wurde drei Jahre später erbaut. Die sichtbaren Unterschiede in der Gestaltung geben einen Einblick in den Reichtum der damaligen Wiener Baukunst.

Fassaden von zwei Gründerzeithäusern in Wien-Josefstadt
Kochgasse 13 (erbaut 1894) und Laudongasse 25 (erbaut 1891) (Foto: 2021)

Altbauten: Schön, langlebig und flexibel

Rekonstruktionen werden von der Stadt Wien nicht gefördert. Der Altstadterhaltungsfonds ist überhaupt so niedrig dotiert, dass die Mittel nicht einmal ausreichen, um sanierungsbedürftige Häuser vor dem Abriss zu bewahren. Zusammen mit der lückenhaften Wiener Bauordnung ein „Todesurteil“ für viele schützenswerte Häuser (Beispiele hier).

Das ist auch in puncto Ressourcen problematisch: Durch Abrisse geht „graue Energie“ – die in den Gebäuden gespeicherten Rohstoffe – verloren. Zudem kommt es durch Abbrüche und Neubauten meist zu einem kompletten Austausch der Bewohner. Auch die Flexibilität von Neubauten ist viel niedriger (einmal Bürohaus – immer Bürohaus usw.). Oft ist auch die Erdgeschoßzone abweisend gestaltet (keine Geschäfte und Lokale; aber eine Garageneinfahrt durch die aus der Nazizeit stammende und immer noch geltende Garagenpflicht).

Wenn umfangreich rekonstruiert wird, dann stehen dahinter umsichtige Eigentümer (zum Beispiel am Gaudenzdorfer Gürtel 47). Ohne die Initiative von Privatpersonen und engagierten Unternehmen passiert also gar nichts. Die letzte von der Stadtregierung ausdrücklich gewünschte und durchgesetzte größere Rekonstruktion erfolgte in den 1980ern (Schwarzenbergplatz 3).

Zumindest bei „normalen“ Sanierungen, also solche ohne Wiederherstellung von Dekor, ist Wien schon lange sehr vorbildlich: Durch geförderte Sanierungen und Blocksanierungen (wo ganze Häuserblöcke gleichzeitig renoviert werden) ist das Fortbestehen von unzähligen alten Häusern in ganz Wien gesichert worden.

Weitere Artikel über Rekonstruktionen in Wien gibt es hier.

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(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)

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