Hotel Intercontinental: Warum nicht Denkmalschutz statt Abriss?

Das Hotel Intercontinental ist zum Abriss vorgesehen. Mit seiner 1960er-Jahre-Architektur hat es das massige Gebäude am Heumarkt nicht gerade in die Herzen der Bevölkerung geschafft. Aber ist es sinnvoll, es einfach abzureißen? Zwei Argumente sollten bedacht werden:

  • Das Hotel steht für die internationale Öffnung Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg. Geplant wurde es von einem traditionsreichen US-amerikanischen Architekturbüro zusammen mit den österreichischen Architekten Carl Appel und Walter Jaksch.
  • Ein intaktes Gebäude abzureißen erscheint nicht nachhaltig. Besonders dann nicht, wenn danach ein ähnlich großes Gebäude neu errichtet wird. Der Verbrauch von Ressourcen durch Abriss und Neubau ist ökologisch problematisch.
Schriftzug "Hotel Intercontinental" und Logos auf dem Dach eines Gebäudes in 1030 Wien
Das Hotel Intercontinental ist zum Abriss vorgesehen. (Foto: 2023)

Wiener Widmungssünden

Zum Heumarkt ist schon vieles gesagt worden. Bekanntlich soll das Hotel abgerissen und neu gebaut, die Fläche neben dem Konzerthaus umgestaltet werden. Besonders umstritten ist der geplante Bau eines Hochhauses, aufgrund dessen die Aberkennung des Unesco-Weltkulturerbes Innere Stadt droht. Die ursprünglichen Pläne wurden schon mehrfach überarbeitet, die Baumassen zuletzt von der Höhe in die Breite verlagert. Die heftige Kritik von Experten, Zivilgesellschaft, politischer Opposition und Unesco ist geblieben.

Wienfluss beim Stadtpark, großes Hotelgebäude, Bäume, historische Laternen, Jugendstilarchitektur
Hotel Intercontinental mit Wienfluss und Stadtpark (Foto: 2019, Anna Saini, CC BY-SA 4.0)

Die Politik und die Investoren

Der Heumarkt ist nicht das einzige Areal, auf dem eine Stadtregierung freigebig Flächenwidmungen beschlossen und dabei negative Folgen bewusst in Kauf genommen hat. Vor dem Heumarkt war Wien Mitte. Das unattraktive Einkaufszentrum über dem Bahnhof wurde um 2008 abgerissen. Der Investor setzte mit dem Neubau seine Wünsche durch, Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ließ gewähren. Ergebnis: ein großes Einkaufszentrum neben einer in die Jahre gekommenen Einkaufsstraße, der Landstraßer Hauptstraße. Ein Gebäude, das mit seinem völlig unpassenden Maßstab die Umgebung förmlich erdrückt. Eine monotone Architektur, deren Banalität eigentlich keinerlei Erwähnung verdiente, wäre das Gebäude nicht so groß. Das Gemeinwohl hatte bei den politischen Entscheidungen, die all das ermöglicht haben, keinerlei Relevanz. Auch der Markt wurde ersatzlos geschlossen.

Die verhängnisvolle Widmung von Wien Mitte erfolgte unter der SPÖ-Alleinregierung. Einen Lerneffekt hatte das auf die darauffolgende Rot-Grüne Stadtregierung nicht. Es durfte in Sichtweite und unweit der Ringstraße munter weitergehen. Wie bei Wien Mitte wurde auch am Heumarkt mit Wohlwollen der Regierung in die Höhe geplant, was mit dem Unesco-Weltkulturerbe nicht vereinbar ist. Auch beim Heumarkt-Projekt hat die Politik das öffentliche Interesse privaten Interessen untergeordnet.

Glasfront im Erdgeschoß eines Hotelgebäudes in Wien, Plakat mit einem Rendering eines Neubaus am Heumarkt
Der Grundstückseigentümer will abreißen und neu bauen. (Foto: 2023)

Warum ein intaktes Gebäude abreißen?

Bei den Diskussionen um den Bau eines Hochhauses am Heumarkt ist zum Hotel Intercontinental auffällig wenig zu hören. Eine Auseinandersetzung über Adaptierung und Nachnutzung wäre bereits im Vorfeld dringend nötig gewesen. Warum soll eigentlich ein Gebäude, das offenbar durchaus saniert und weiter genutzt werden kann, abgerissen werden, nur um danach ein Neues mit ähnlicher Höhe zu bauen? Alleine unter dem Aspekt der grauen Energie, also der im Gebäude gespeicherten Rohstoffe, erscheint ein Abriss unzeitgemäß. Zu diesem Thema schreibt die 2023 gegründete Allianz für Substanz:

Der Schutz bestehender Substanz vor dem Abriss und die radikale Minimierung von Neubau sind notwendige Maßnahmen zur Reduktion unnötig verursachter Treibhausgasemissionen und ein wichtiger Schritt in Richtung Pariser Klimaübereinkommen. (…) Die Kultur der Reparatur – das Pflegen, Sanieren, Adaptieren und Transformieren des Bestands – muss ab sofort selbstverständliche Aufgabe einer am Gemeinwohl und an Prinzipien der Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft orientierten Planung werden. [1]

Die Geschichte hinter dem hohen Haus

Es gibt wahrscheinlich wenige Gebäude in Wien, die unbeliebter sind als das Hotel am Heumarkt. Der internationale Funktionalismus der Nachkriegsmoderne wird in Gestalt des Intercontinental auch nach mehr als einem halben Jahrhundert als harter Bruch wahrgenommen. Hinter der Baumasse verbirgt sich aber weit mehr als ein bedeutungsloser Klotz, wie die Kunsthistorikerin Monika Platzer schildert:

Dabei hat man hier in den 1960er-Jahren am Puls der Zeit gebaut. Der Auftraggeber, die Fluglinie PANAM, setzte mit diesem Hotel einen architektonischen Akzent für den wirtschaftlichen Aufschwung Österreichs. Bereits ab 1947 war mithilfe des Marshallplans in den Fremdenverkehr investiert worden. Hotelketten wie das Hilton und das Intercontinental begannen auch verstärkt nach Europa zu expandieren.

Voraussetzung für den Konzern war eine prominente innerstädtische Lage, darin spiegelten sich das Selbstbewusstsein und der Führungsanspruch der amerikanischen Nation, die Integration Europas in ein marktorientiertes kapitalistisches Wirtschaftssystem voranzutreiben. Die architektonische Großstruktur setzte sich bewusst von ihrer Umgebung ab, der formale Kontrast zur historischen Stadt gehörte zur Programmatik, die sich international in allen Häusern der Hotelkette finden lässt. [3]

Zur Gestaltung der Fassade:

Die ausfachenden Fassadenflächen wurden mit Bandfenstern und Kunststeinplatten versehen. Zur Rhythmisierung der Fassade wurden in den Parapetflächen [ober- und unterhalb der Fenster] Glasmosaikfelder eingefügt. [6]

Amerika in Wien

Um ein Gebäude wie jenes des Hotel Intercontinental einschätzen zu können, muss es aus seiner Zeit heraus betrachtet werden:

Mit diesem, auf internationalen Hotelstandards basierenden Haus, treffen die Stadtgeschichte und Moderne kulminierend aufeinander. Das Hotel InterContinental kann als ein Beitrag zum politischen Ruf „Wien soll wieder Weltstadt werden“ betrachtet werden. [6]

Das Hotel InterContinental ist nicht nur architekturhistorisch relevant, sondern gleichzeitig ein einzigartiger zeitgeschichtlicher Propagandabau, in dem sich die Vorherrschaft der Amerikaner im Kampf der Systeme des Kalten Krieges manifestiert. Im Gegensatz zu Deutschland und anderen Ländern in Europa finden sich in Wien keine Neubauvorhaben für Botschaften, Konsulate und Amerikahäuser. Das Hotel InterContinental ist (…) eine für Österreich einzigartige bauliche Manifestation eines transatlantischen Ideologieexports aus der Zeit des Kalten Kriegs. [7]

Bereits beim Spatenstich 1960, welcher vom damaligen Bundeskanzler Julius Raab persönlich ausgeführt wurde, war die Bedeutung des Hotels für Wien sehr hoch. Wien sollte u.a. durch dieses Projekt zu einem führenden internationalen Kongressstandort entwickelt werden, was sich auch in der Architektursprache widerspiegelt, die sich dem internationalen Stil der funktionalen Nachkriegsmoderne zuordnen lässt. Mit über 500 Zimmern füllte das Hotel den zur damaligen Zeit bestehenden Bedarf an Kapazitäten im gehobenen Segment auf. [5]

Hotel, Vorfahrt, Autos, Eingang
Eingang an der Johannesgasse, gegenüber dem Stadtpark (Foto: 2023)

Kunsthistorikerin Monika Platzer:

Das Bauensemble Hotel und Eislaufverein entsprach ganz den Chiffren einer internationalen Moderne. Gerade in der transparenten Sockelzone und dem vorspringenden Bar- und Nachtklubbereich werden Reminiszenzen an das Four Seasons Hotel in New York wach. Wurde im äußeren Erscheinungsbild bewusst das Vokabular einer West-Moderne eingesetzt, bezog man sich im Inneren auf Lokalkolorit. Kristalldeckenleuchten und -luster, imperial angehauchte Vorhänge in den Gästezimmern sowie die goldüberzogenen Säulen im Foyer und die abstrakte Wiener Werkstätten-Optik der Spannteppiche erinnern an die glorreiche Vergangenheit Wiens. Die Dichotomie global–lokal setzte sich im imposanten Schriftzug auf dem Dach weiter fort. [3]

Der Magistrat setzte damals eine Höhenbeschränkung fest, sodass das als Scheibe geplante Haus einen neuen Trakt bekam, um die vom Auftraggeber geforderten 500 Hotelzimmer unterzubringen.[4] Das Haus erhielt so seine T-Form:

Das 90 Meter lange und 16,35 Meter tiefe, scheibenartige Gebäude hätte ursprünglich 56 Meter hoch sein sollen. Nach Befürchtungen, der Stadtpark könnte Schaden durch mangelnde Belüftung nehmen, wurde die Baumasse T-förmig umstrukturiert und die Höhe auf 12 Obergeschosse bzw. 42,25 Meter reduziert. Es ist anzunehmen, dass neben dem offiziellen Argument der schlechten Belüftung des Stadtparkes auch die niedere, umgebende Bebauung als Grund für die Umplanungen gelten kann. [6]

Fassade eines Gebäudes der Nachkriegsarchitektur in Wien, Fahnen
Foto: 2023

Entwurf von amerikanischem Architekturbüro

Die grundlegenden Planungen stammen von Holabird & Root aus Chicago. Das 1880 gegründete Architekturbüro hat im frühen 20. Jahrhundert eine ganze Reihe an Hochhäusern im Art-Deco-Stil entworfen. Es existiert bis heute. Zum Hotel Intercontinental:

Das Areal des WEV [Eislaufverein] wurde im Zuge der Errichtung des Hotelneubaus um ca. ein Drittel verkleinert. Das vom Architekten Ludwig Baumann errichtete Jugendstil-Ensemble wurde zugunsten des Hotelneubaus abgetragen und durch funktionalistische Neubauten ersetzt. Erste Planungen für das Hotel wurden von den US-amerikanischen Architekten Holabird & Root erstellt; die Ausführungsplanung und Umsetzung sollte zunächst Architekt Roland Rainer durchführen. Dieser gab jedoch den Auftrag zurück, da er die Leitung der Stadtplanung übernahm. Letztendlich wurde das Projekt von den Architekten Carl Appel und Walter Jaksch gemeinsam mit den amerikanischen Entwurfsarchitekten realisiert. Der erste Entwurf sah eine Gebäudescheibe mit einer Höhe von 56m vor. Dieser wurde aufgrund von Diskussionen über negative Auswirkungen auf den angrenzenden Stadtpark (mangelnde Belüftung) verworfen und führte zu einer Umplanung. Die Baumasse wurde daraufhin in ein T-förmiges Gebäude umstrukturiert, indem man die Höhe der geplanten Hotelscheibe auf 12 Obergeschosse reduzierte und zum Ausgleich der dadurch verlorenen Flächen einen Anbau an die Rückseite der Scheibe setzte. [5]

Gebäude wird errichtet, Kräne, Baustelle, Konzerthaus, Autos
Hotel Intercontinental in Bau (Foto: 1963, InterContinental Wien, CC BY-SA 3.0)

Planung mit österreichischen Architekten

Die örtliche Planung und Bauleitung übernahmen die österreichischen Architekten Carl Appel und Walter Jaksch. Beide planten auch den Neubau des Eislaufvereins (niedriger Baukörper am Heumarkt). Das Architektenlexikon über Carl Appel:

Noch zu Zeiten der Monarchie geboren, prägte Carl Appel das Baugeschehen in Österreich bis in die 1970er Jahre entscheidend mit. (…) Appel sah sich selbst als „Architekt zwischen gestern und morgen“. Ein wesentliches Merkmal seiner Bauten der Nachkriegsjahre ist die Kompromissfähigkeit einer „moderaten Moderne“, die auch von Erich Boltenstern und anderen Zeitgenossen vertreten wurde und mit ihrer zurückhaltenden Formensprache und den handwerklich sauber gearbeiteten, eleganten Details auf breite Akzeptanz in der harmoniebedürftigen Gesellschaft des Wiederaufbaus stieß. Jedoch verwendete er je nach Bauaufgabe und Lage verschiedene Gestaltungsmodi und griff in der Folge auch jeweils aktuelle formale Tendenzen – etwa die Verwendung von Fassadenelementen aus Sichtbeton – auf. [2]

alte Fotoaufnahme einer Hotellobby in Wien, Architektur und Einrichtung der 1960er-Jahre
Lobby kurz nach der Fertigstellung des Hotels (Foto: 1964, InterContinental Wien, CC BY-SA 2.5)

Öffentlicher Raum: Das wahre Problem?

Architektur wie die des Intercontinental hat es in der öffentlichen Wahrnehmung nicht leicht. Der Fokus auf Höhe, Fassadengestaltung und Platzierung lenkt jedoch leicht von einem anderen Problem ab. Die verfahrene Situation um den Heumarkt ist auch im öffentlichen Raum zu suchen. In der Gestaltung und Aufteilung der angrenzenden Straßen und Plätze. Details und Fotos sind in einem eigenen Artikel zu finden.

fahrende und parkende Autos in der Lothringerstraße, Jugendstilgebäude, Hotels, Bäume
Lothringerstraße vorm Konzerthaus (Foto: 2023)

Wie weiter mit dem Intercontinental?

Es gab einmal einen Heumarkt vor dem Intercontinental. Mit einer großen Eislauffläche und ansehnlichen kleinvolumigen Bauten. Diese Zeit wird nicht wiederkommen. Dass sich der Heumarkt wieder in einen früheren Zustand zurückversetzen ließe, ist aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen. Welcher Eigentümer sollte so etwas machen? Es bleiben nur wenige Handlungsmöglichkeiten:

  • Ein Gebäude von der Größe des Hotels (oder größer) wird an dieser Stelle in jedem Fall bestehen bleiben.
  • Der Eigentümer kann, selbst wenn die Widmung gleich bleibt, abreißen lassen.
  • Ein Umbau ohne Abriss wäre wohl möglich, kann aber nicht erzwungen werden.
  • Die Schutzzone wurde bei der Umwidmung 2017 entfernt. So hat sich die Stadt der Chance, das Hotel mittels Ortsbildschutz zu erhalten, beraubt.
  • Die Stadt Wien kann seit 2018 vor 1945 errichtete Gebäude unabhängig von Schutzzonen vor dem Abriss schützen. Diese Option fällt für das Hotel aus.
  • Der Denkmalschutz kann Gebäude unabhängig vom Baualter unter Schutz stellen.

Was spricht gegen den Abriss?

Auf WienSchauen wird regelmäßig neue Architektur kritisiert (siehe: Bestürzende Neubauten). Wie kann unter diesen Vorzeichen ein Bau wie das Intercontinental als potenziell erhaltenswert besprochen werden? Natürlich sollte heute nicht mehr so gebaut werden wie in den 1960ern. Monotonie und fehlende Berücksichtigung der Umgebung sind die negativen Kriterien jeder Einfügung. Aber das heißt nicht, dass ganze Bauperioden einfach dem Abriss anheimgegeben werden sollten. Auch aus Gründen der Ressourcen, die dabei zerstört würden. Einschätzungen zu Architekturströmungen können sich auch ändern. Auch die Gründerzeit (Gebäude aus der Zeit von ca. 1850-1918) war einmal weniger beliebt als heute und die Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit hatten architekturhistorisch nicht immer einen guten Ruf.

Anders als viele Gebäude der Umgebung sind weder das Hotel noch die niedrigen Bauten neben der Eislauffläche unter Denkmalschutz. Damit stehen sie prinzipiell zur Disposition. Der Schutz des Stadtbildes und die Ortsbild-Schutzzonen fallen in die Kompetenz der Stadt Wien, der Denkmalschutz ist Bundessache. Somit ist der Denkmalschutz das Einzige, was die Stadt an Abrissen hindert – zu sehen etwa beim AKH in den Fällen der I. Medizinischen Klinik (kein Denkmalschutz – Abriss) und der Frauenklinken (Denkmalschutz – Sanierung).

Geschichte und Ästhetik:

  • Das Hotel Intercontinental ist ein bedeutendes Beispiel der internationalen Öffnung Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg, die Westorientierung der jungen Zweiten Republik wird baulich greifbar.
  • Die Architektur geht auf die Zusammenarbeit eines traditionsreichen US-amerikanischen Architekturbüros mit zwei bekannten österreichischen Architekten zurück.
  • Das Denkmalamt soll herausragenden Baubestand dokumentieren. Ein Passus, nachdem ausschließlich „Schönes“ geschützt werden müsse, findet sich im Denkmalschutzgesetz nicht und wäre auch schwer zu definieren.
  • Denkmalschutz für das Hotel kann in gewissem Sinn auch exemplarisch für den Umgang mit der bestehenden Stadt in der Nachkriegszeit begründet werden.
  • Ist wirklich die Architektur des Hotels das Problem? Oder ist es nicht vielmehr der öffentliche Raum um das ganze Areal, der einer Aufwertung harrt?

Ressourcen:

  • An dieser Stelle sollte ein Gebäude mit einer solchen Höhe und Gestaltung heute keinesfalls mehr gebaut werden. Das heißt aber nicht, dass das Bestandsgebäude einfach ohne eingehende Beschäftigung mit den Möglichkeiten von Adaptierung und Sanierung abgerissen werden sollte.
  • Ein nur 60 Jahre altes Gebäude abzubrechen, nur um hernach ein Gebäude ähnlicher Ausmaße am selben Platz neu zu bauen, ist mit einem hohen Ressourcenverbrauch verbunden.
  • Durch Sanierungsmaßnahmen lassen sich bestehende Gebäude auf höhere energetische Standards heben (Wärmedämmung usw.).
  • Solange sich ein Gebäude sanieren und neu nutzen lässt, ist diese Option dem Abriss vorzuziehen.

Die deutsche Stiftung Baukulturerbe:

Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, so verliert ein relativ geringer Energieaufwand im Betrieb an Bedeutung gegenüber dem Aufwand, der in den Phasen Bau und Rückbau entsteht. (…) Vergleichen wir nun ein Bestandsgebäude mit einem Neubau, dann kann ein 100 Jahre altes Gebäude demnach häufig trotz geringerer Energieeffizienz im Betrieb eine bessere Energiebilanz aufweisen, als beispielsweise ein neugebautes Passivhaus. Dieses weist nämlich häufig aufgrund der verwendeten Materialien einen hohen Anteil an grauer Energie auf. Konkret bedeutet das, dass das Passivhaus perspektivisch über einen deutlich längeren Zeitraum genutzt werden müsste um den hohen Bedarf an Primärenergie auszugleichen. Am Ende eines solchen Vergleichs steht außerdem noch der Energieeinsatz für den Rückbau des Gebäudes. Der Abbruch eines bestehenden Gebäudes bedarf einer teils beträchtlichen Menge an Energie. Auch diese muss berücksichtigt werden. [8]

In Österreich gibt es kein rechtliches Instrument, um Abbrüche aus Umwelt- und Ressourcengründen zu untersagen. Somit bleibt nur das Argument der (bau-)historischem Relevanz. Vielleicht überlegt es sich das Denkmalamt ja noch einmal.

Kontakte zu Stadt & Politik

+43 1 4000 81261
 
Vizebürgermeisterin und Stadträtin Kathrin Gaál untersteht die Geschäftsgruppe Wohnen. Zu dieser gehören u. a. die Baupolizei (kontrolliert die Einhaltung der Bauvorschriften u. dgl.), Wiener Wohnen (Gemeindewohnungen) und der Wohnfonds (Fonds für Neubau und Sanierung).
+43 1 4000 81341
 
Der amtsführendenden Stadträtin untersteht die Geschäftsgruppe Innovation, Stadtplanung und Mobilität. Diese ist u. a. zuständig für die Flächenwidmungs- und Bebauungspläne (Innen-Südwest, Nordost), Stadtentwicklung und Stadtplanung und Architektur und Stadtgestaltung (einschließlich der Festsetzung von Schutzzonen gegen Hausabrisse).

(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)

Quellen

WienSchauen.at ist eine unabhängige, nicht-kommerzielle und ausschließlich aus eigenen Mitteln finanzierte Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum.

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