Piran: Ein Hauptplatz im Wandel der Zeit

Der Tartini-Platz im Zentrum von Piran ist einer der schönsten Plätze Sloweniens. Seit der Jahrhundertwende hat sich der historische Platz gleich mehrfach gewandelt. Wo heute eine Fußgängerzone eingerichtet ist, fuhren und parkten früher die Autos. Bis in die 1950er waren sogar Straßenbahnen auf dem Platz unterwegs.

– Fotos aus über hundert Jahren Tartinijev trg.

Tartini-Platz in Piran, Slowenien, nach 1912, 1969, 2014
Tartinijev trg (Tartini-Platz) in Piran (Foto Mitte: Fortepan 73799, Romák Éva; rechts: Erik, CC BY 2.0)

Vom Parkplatz zum Stadtplatz

In der alten Stadt an der Adria wird die Nähe zu Italien deutlich. Das heute zu Slowenien gehörende Piran war einst im Besitz Venedigs, kam später zu Österreich-Ungarn und dann zu Jugoslawien. Der größte Platz der kleinen Stadt ist nach dem Geiger Giuseppe Tartini (1692-1770) benannt und in seiner ovalen Form seit der Jahrhundertwende unverändert.

Zahlreiche Fotoaufnahmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten haben sich erhalten. So lässt sich nachvollziehen, wie die großen Veränderungen in der Mobilität und im Umgang mit dem öffentlichen Raum auch im Zentrum des keinen Piran angekommen sind:

  • Im frühen 20. Jahrhundert war das Fahrrad – wie auch in Ljubljana – offenbar  ein beliebtes Verkehrsmittel.
  • Bis in die 1950er-Jahre verkehrte eine elektrische Straßenbahn auf dem Platz.
  • Ab zumindest den 1960ern erhielt das Auto viel Platz. Ein großer Teil des Tartini-Platzes wurde zum Parkplatz.
  • Ende der 1980er wurde der Platz neu gestaltet – mit dem charakteristischen Oval in der Mitte (Planung: Boris Podrecca). Der Autoverkehr an den Rändern blieb erhalten.
  • 2008 wurde der ganze Platz zur Fußgängerzone.

Einige Jahre vor der Einrichtung der Fußgängerzone sah der Platz noch so aus:

Tartinijev trg als Parkplatz, Piran
2004: Parkplatz am Tartinijev trg (Foto: Marika Bortolami, CC BY 2.0)

Mit der Schaffung der Fußgängerzone sind Platzmitte und Ränder (Gebäude) wieder zusammengefügt. Damit ist quasi der Zustand des frühen 20. Jahrhunderts wiederhergestellt worden. Nur die Straßenbahn fehlt heute.

Fußgängerzone in Piran, Tartinijev trg
2019: Fußgängerzone am Tartinijev trg, in der Mitte das Rathaus (Foto: antonio, CC BY 2.0)

Der Platz vor dem Rathaus ist heute autofrei:

Tartini-Platz in Piran, Slowenien, Rathaus, autofreier Platz
Tartini-Platz in Piran, Rathaus (Foto: 2017)

Schon zur Jahrhundertwende war der Platz eine durchgehende weite Fläche. Die Statue von Giuseppe Tartini steht hier unverändert seit 1896.

Pirano - Piazza Tartini ed il Duomo, historische Aufnahme
um 1900(?): Tartini-Platz in Piran (Foto: ÖNB/AKON)

Die Ära der Straßenbahn

Von 1912 bis 1953 verkehrte auf dem Tartini-Platz eine elektrische Straßenbahn, die Piran mit Triest und Poreč verband. Am Platz befand sich eine Wendeschleife. Im frühen 20. Jahrhundert war die Straßenbahn das wichtigste Verkehrsmitteln in den meisten europäischen Städten. Mit dem aufkommenden motorisierten Individualverkehr wurden Straßenbahnlinien ab etwa 1950 vielerorts eingestellt. So hat sich der öffentliche Raum grundlegend verändert.

historische Aufnahme einer Straßenbahn in Piran, Slowenien
1930: Straßenbahn am Tartinijev trg in Piran (Foto: gemeinfrei)

Kreisverkehr im Zentrum von Piran

Bis etwa 2007 war die Platzmitte durch mehrere Fahrspuren und zahlreiche Parkplätze von den Rändern getrennt:

Tartini-Platz in Piran, Slowenien, Kreisverkehr, Meer, Hafen
2007: Kreisverkehr am Tartinijev trg (Foto: 金娜 Kim S, CC BY-SA 2.0)

Alter Platz wiederhergestellt

Mit der Einrichtung einer durchgehenden Fußgängerzone wurde an den alten Zustand angeschlossen. Die Gebäude haben sich indes kaum verändert.

Ein Platz im Wandel der Zeit

Der Tartinijev trg wurde um 2008 umgebaut:

Mittels Verkehrsberuhigung und attraktiver Platzgestaltung wurde an die Jahrhundertwende angeknüpft:

Der Platz war lange Zeit eine Art großer Kreisverkehr. An den Rändern waren Fahrbahnen und Parkplätze eingerichtet. Um 2008 wurde dort eine Pflasterung mit geometrischem Muster verlegt.

Das Rathaus von Piran hat heute wieder einen frei begehbaren Vorplatz:

Aus der Spätzeit der Österreich-Ungarischen Monarchie haben sich interessante Aufnahmen vom Tartini-Platz erhalten (siehe unten). Sie zeigen Kaiser Karl I. wenige Monate vor dem Ende des Ersten Weltkriegs bei einem Besuch in Piran. Die Stadt ging nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an die Siegermacht Italien.

Mehr zum Thema Verkehrsberuhigung und öffentlicher Raum gibt es hier.

Fotos

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