Halle oder Park für den Naschmarkt?

Neben dem Naschmarkt gibt es eine riesige Asphaltfläche. Mitten in bester Innenstadtlage und umgeben von prächtigen historischen Gebäuden. Bisher ein unausgelasteter Parkplatz, der regelmäßig auch für einen Flohmarkt genutzt wird. Hier will die Stadtregierung eine Markthalle bauen und für Begrünung sorgen.

Doch der Plan von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) gefällt vielen Anrainern und den Grünen gar nicht: Sie wollen stattdessen einen großen Park. Doch das ist nicht so einfach, denn unter der Asphaltfläche fließt der Wienfluss. Ob also Bäume gepflanzt werden können? Die Stadtregierung sagt: nein. Doch ein unabhängiges Gutachten darüber gibt es bisher nicht. Auch eine umfassende Neugestaltung der ganzen Umgebung wird nicht diskutiert – obwohl dringend nötig.

Aktueller Hinweis (Februar 2022): Den Bau einer Markthalle hat Stadträtin Ulli Sima nun ausgeschlossen. Unklar bleibt, wie die Fläche künftig gestaltet wird. Ein Ideenwettbewerb soll folgen – unter dem Juryvorsitz des SPÖ-nahen Architekten Albert Wimmer, der schon das skandalträchtige Krankenhaus Nord geplant hat.

Sorge herrscht nun um den traditionellen Flohmarkt, der einer Kommerzialisierung der Fläche zum Opfer fallen könnte. Eine Unterschriftenaktion wurde gestartet.

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Neben dem Naschmarkt will die Stadtregierung eine Markthalle bauen. (Foto: 2021)

Halbe Halle statt Asphaltparkplatz?

Wien tut sich schwer mit den Märkten. Die längste Zeit gab es für Markthallen und Märkte vor allem ein Schicksal: Schließung. Die Markthalle in Wien Mitte wurde 2012 ersatzlos abgerissen. In der historischen Markthalle in der Nußdorfer Straße ist heute ein Supermarkt. Schon längst Geschichte ist die Halle am Phorusplatz (5. Bezirk), die 1979 unter heftigem Protest abgerissen wurde.

Stattdessen setzt Wien auf riesige, immer gleiche Supermärkte. Während die Dichte an Supermärkten hoch ist, haben es die alten Märkte schwer. In Stadtentwicklungsgebieten und am Stadtrand suchte man sie überhaupt vergebens. Das Interesse der letzten Stadtregierungen am Bau neuer und der Aufwertung vorhandener Märkte war endenwollend.

Das hat sich 2020 ein bisschen geändert: Die Koalition aus SPÖ und NEOS löste Rot-Grün nach 10 Jahren ab, das Planungsressort ging von Birgit Hebein (Grüne) an Ulli Sima (SPÖ). „Ich wollte immer eine Halle haben“, sagte Sima im Interview mit der Wiener Stadtzeitung Falter. Gemeint war damit aber nicht der Bau neuer Märkte in den Außenbezirken, sondern eine Überdachung neben dem Naschmarkt:

Das Ziel ist ein kühler Ort mit ausreichend Schatten, möglichst viel Grün und hoher Aufenthaltsqualität. Herzstück dieses Projekts soll eine offene Markthalle werden, die in Hitzeperioden ausreichend Schatten bietet und ein lebendiges neues Grätzlzentrum wird

Strategisch ungeschickt veröffentlichte die Stadtregierung im Oktober 2020 Visualisierungen für eine solche „Halle“. Bloße Ideen und keine fertigen Entwürfe. Doch eine Empörung der Bürger und Verrisse in den Medien waren damit gesichert.

Riesige Asphaltfläche in bester Lage

Der Streitpunkt: Eine rund 12.000 Quadratmeter große Fläche beim Naschmarkt. Bisher genutzt für den einmal in der Woche stattfindenden Flohmarkt und als (nicht ausgelasteter) Parkplatz.

Forderungen nach einer Umgestaltung sind nicht neu: Die Grünen im 6. Bezirk hatten schon 2014 einen Park gefordert, 2018 sah der grüne Gemeinderat Rüdiger Maresch sogar eine Markthalle als Option. Ulli Sima äußerte sich damals nicht zu diesen Überlegungen. Erst zwei Jahre später war es soweit. Nun ist es Sima, die für die Halle eintritt – und die Grünen (nun in Opposition), die einen Park wollen:

In Zeiten der Klimakrise brauchen wir einen kühlenden Park statt einer Halle, die die Umgebung weiter aufheizt, eine Existenzbedrohung für den Naschmarkt darstellt und den Flohmarkt sehr erschwert.

Einst Markt - heute Parkplatz

Wo sich heute eine weitgehend ungenutzte Asphaltfläche befindet, war früher der Viktualienmarkt (ein Großmarkt). Also war der Naschmarkt lange Zeit deutlich größer als heute. Nicht nur der jetzige Parkplatz war einst voll mit Markständen, sondern auch am eigentlichen Naschmarkt gab es früher deutlich mehr Stände als derzeit. Die türkis eingezeichneten Gebäude auf den Fotos unten sind heute ebenfalls bloßer Asphalt (aber genutzt für temporäre Stände).

Auf den alten Aufnahmen unterscheidet sich der „zweite Naschmarkt“ kaum vom heute bekannten Markt. Eine Mischung als fixen Gebäuden und temporären Ständen, dazwischen Freiflächen. Noch in den 1960ern war dieser Markt in Betrieb. Irgendwann danach wurden die Marktstände alle abgerissen. Abgesehen vom traditionellen Flohmarkt, den es seit den 1970ern gibt, verkam die wertvolle innerstädtische Fläche zum bloßen Abstellplatz für Fahrzeuge.

Sándor Békési vom Wien Museum:

Dabei reichte Anlage des neuen Naschmarkts nicht nur bis zur heute bekannten Grenze bei der Kettenbrückengasse. Stadtauswärts setzte sich der „Großmarkt“ für Obst und Gemüse fort (…) So standen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadtbahnstation bereits 1916 auch größere Marktgebäude und prägten das Stadtbild in diesem Bereich mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Sie nahmen der Stadtbahnstation (heute U4) zwar ihre solitäre Stellung, gleichzeitig schienen die Bauten des Großmarkts auf den damals noch relativ „frischen“ Otto-Wagner-Bau in ihren Proportionen durchaus Rücksicht zu nehmen (…)

Häuser von Otto Wagner & co

Der Naschmarkt ist umgeben von beeindruckenden Gebäuden. Die Wienzeile, auf der der Markt liegt, sollte eigentlich eine Prachtstraße von der Inneren Stadt bis nach Schönbrunn werden. Zumindest im Bereich des Naschmarkts ist diese – letztlich nie verwirklichte – Intention unübersehbar: Hier stehen die berühmten Wienzeilenhäuser von Otto Wagner, die ebenfalls von Wagner erbaute Station Kettenbrückengasse und unzählige Historismus- und Jugendstilbauten.

Dieses prachtvolle und entsprechend sensible Ambiente muss bei jeder Veränderung im öffentlichen Raum besonders berücksichtigt werden. Die zentrale Frage ist: Was kann getan werden, damit das historisch einmalige Häuserensemble nicht nur nicht gestört wird, sondern auch noch besser zur Geltung kommt? Eine allzu bezugslose Dachkonstruktion am jetzigen Naschmarkt-Parkplatz wäre diesem Ort wohl eher abträglich.

Die Architektur des Naschmarkts

Bekannt ist der Naschmarkt auch durch die charakteristischen Marktstände. Die Architektur dieser kleinen Gebäude ist keineswegs dem Zufall geschuldet, sondern Ergebnis wohlüberlegter Planung, wie Sándor Békési vom Wien Museum beschreibt:

Für die künstlerische Neugestaltung des vergrößerten Naschmarkts zeichnete der in späthistoristischer Tradition ausgebildete Architekt Friedrich Jäckel verantwortlich. Jäckel war im Wiener Stadtbauamt von 1901 bis 1926 tätig (…) Für das Naschmarkt-Areal erstellte er ein einheitliches Marktkonzept (…)

Der dabei gewählte architektonische Stil wurde im zeitgenössischen offiziellen Naschmarkt-Führer als „biedermeierisch“ bei einer gleichzeitig „neuen Utilitätsbauweise“ beschrieben. Jedenfalls scheint er keine allzu große öffentliche Debatte ausgelöst zu haben, was möglicherweise auch daran lag, dass die Neueröffnung in ein Kriegsjahr fiel. Charakteristisch für die Anlage sind etwa die Glockendächer und die rundbogigen Durchgänge. Das Lexikon des Architekturzentrums meint heute zu Jäckels Werk an der Wienzeile: „Trotz zahlreicher Veränderungen vermittelt der Markt bis heute den späten Charme des Wiener Fin-de-Siècle.“

Öffentlicher Raum: Asphalt und Autos

Die Gebäude in der Umgebung des Naschmarkts sind herausragend. Der öffentliche Raum ist es nicht:

  • Starker Autoverkehr: Linke und Rechte Wienzeile sind stark durch den motorisierten Individualverkehr beeinträchtigt (Lärm, Platzbedarf).
  • Viel Asphalt: Nahezu sämtlichen Flächen am und um den Naschmarkt sind mit Asphalt versiegelt (Gehsteige, Straßen, Parkplätze, Radwege). Das ist sowohl ästhetisch als auch in Hinblick auf das Mikroklima (Hitze) mit großen Nachteilen verbunden.
  • Lärmbelastung: Obwohl es sich auch um ein Wohngebiet handelt, gilt auf der Wienzeile kein Tempo 30. So ist es auch entsprechend laut.
  • Viel Platz für abgestellte PKW: In den dicht bebauten Bezirken sind Flächen im öffentlichen Raum ein rares Gut. Trotzdem wird auf der Wienzeile viel Abstellfläche für Pkw bereitgestellt (und nicht bloß für Händler und Lieferanten).
  • Straßenbeleuchtung: Noch im frühen 20. Jahrhundert war die Wienzeile gesäumt von prachtvollen Straßenlaternen. Sie wurden nach und nach demontiert und durch unattraktive Hängeleuchten oder schmucklose Straßenlaternen ersetzt.

Auch die ausgedehnten Kfz-Verkehrsflächen auf der Wienzeile wirken heute nicht mehr zeitgemäß:

    Veränderung notwendig

    Dass der Status quo nicht mehr zeitgemäß ist, steht wahrscheinlich außer Frage:

    • Grünflächen fehlen: Die angrenzenden Bezirke (4., 5., 6.) sind extrem dicht bebaut und haben nur wenige Parks und Grünflächen.
    • Freiflächen fehlen: Die allermeisten öffentlichen Flächen in den zentralen Wiener Bezirken sind für Fahrbahnen und Parkplätze reserviert. Es mangelt massiv an Räumen, die für alle und auch ohne Konsumzwang nutzbar sind. Das ist zuvörderst ein sozialer Aspekt, denn nicht jeder kann sich eine große Wohnung leisten.
    • Hitze: Asphalt heizt sich durch Sonneneinstrahlung stark auf und verstärkt die sommerliche Hitze in der Umgebung. So kühlt die Stadt auch nachts nicht ab, was zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.
    • Schöne historische Gebäude: Naschmarkt und Parkplatz liegen in einer Ortsbild-Schutzzone. Rundherum gruppieren sich prachtvolle Jahrhundertwendehäuser. Der öffentliche Raum hingegen wirkt unattraktiv und geradezu heruntergekommen.

    Verhärtete Fronten

    Nach Bekanntwerden der Pläne für eine Markthalle kam es zu regen Debatten. Einige Positionen:

    • Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) möchte hier eine Markthalle bzw. einen überdachten Markt errichten, aber auch Grünflächen. Auch NEOS unterstützen diesen Plan (ob aus genuinem Interesse oder aufgrund der Koalition, lässt sich natürlich nicht sagen).
    • Die Grünen fordern einen großen Park und sind gegen eine Markthalle. Sie haben tausende Unterschriften gegen die Halle gesammelt.
    • Die FPÖ will die Asphaltfläche samt Parkplatz belassen, wie sie ist, und fordert die Errichtung einer Markthalle bei der Mariahilfer Straße.
    • Die Bürgerinitiative Freiraum Naschmarkt kritisiert, dass es kein ergebnisoffenes Beteiligungsverfahren für die Bürger gibt. Eine Abstimmung für bzw. gegen die Markthalle sei nicht möglich. Freier Naschmarkt, eine weitere Bürgerinitiative, fordert eine Verbesserung von Stadtklima und die Stärkung des Naschmarkts. Für den Naschmarkt-Parkplatz werden konsumfreie Flächen und Begrünung gewünscht.
    Infostand der Bürgerinitiative "Freiraum Naschmarkt", Kettenbrücke
    Die Bürgerinitiative "Freiraum Naschmarkt" fordert eine ergebnisoffene Bürgerbeteiligung. (Foto: 2021)

    Park möglich oder nicht?

    Park oder Markt? – Diese Frage steht im Zentrum der Diskussion. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht:

    • Wozu eine Halle? Die Stadtregierung möchte eine Markthalle realisieren und zugleich den Platz begrünen. Prinzipiell schließen sich diese Positionen nicht aus, da die Fläche groß genug ist. Die Frage ist: Welchen Nutzen hätte eine Halle neben einem etablierten Markt?
    • Park unmöglich? Laut Stadtregierung sei ein Park mit vielen Bäumen nicht möglich, da darunter der Wienfluss verläuft.
    • Kein unabhängiges Gutachten: Ob wirklich kein größerer Park eingerichtet werden kann, ist nicht sicher. Der Grund: Es gibt kein unabhängiges statisches Gutachten über die Tragfähigkeit der „Brücke“.
    • Wienfluss-Überplattung tragfähiger als gedacht? Neben dem historischen Verkehrsbüro-Gebäude beim Karlsplatz fließt ebenfalls der Wienfluss. Wenn die Konstruktion dieses Gebäude aushält, dann vielleicht auch einen Park?
    • Überplattung ertüchtigen? Genauso wie tragende Mauern können auch Brücken und andere Baulichkeiten nachträglich verstärkt werden, um größere Lasten tragen zu können. Wäre das auch eine Option für den Naschmarkt-Parkplatz? Ließen sich folglich also auch größere Bäume pflanzen?
    • Bäume auf Brücke möglich: Auf der in den 1850ern erbauten Nevillebrücke (5./6. Bezirk) wurden 2012 Grünflächen und kleine Bäume gepflanzt. Wenn eine Begrünung auf dieser alten Brücke möglich ist, warum dann nicht auch am Naschmarkt-Parkplatz?

    Vorschläge

    Eine große innerstädtische Fläche, noch dazu leer, ist eine extreme Seltenheit. Eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommt. Deswegen muss umsichtig und langfristig geplant werden. Einige Vorschläge:

    • Viel Platz für alle statt Parkplätze: Schon jetzt ist der öffentliche Raum in ganz Wien in erster Linie auf die Bedürfnisse des motorisierten Individualverkehrs ausgerichtet. Fahrbahn und Parkplätze nehmen durchschnittlich rund zwei Drittel des Straßenraums ein (siehe hier), häufig noch mehr. Der öffentliche Raum gehört aber allen Menschen und lässt sich weit besser nutzen als bspw. für das Abstellen von Fahrzeugen. Deswegen sollte der Parkplatz beim Naschmarkt ersatzlos gestrichen werden.
    • Viel Begrünung: Mariahilf und Margareten gehören zu den Bezirken mit den wenigsten Grünflächen in ganz Wien. Jede Möglichkeit für Begrünung muss unbedingt genutzt werden.
    • Neue Markstände für den Naschmarkt statt Halle? Auf dem Gelände des Naschmarkts gibt es noch Platz für neue Marktstände. Hier könnten neue Stände gebaut werden (z. B. neue Überplattung bei der Rechten Wienzeile, nahe Kettenbrückengasse).
    • Flohmarkt soll bleiben: Eine bestimmte Fläche kann auch künftig für den Flohmarkt reserviert werden. Könnten auch die Öffnungszeiten ausgeweitet werden? Besteht vielleicht auch Interesse, dass der Flohmarkt häufiger stattfindet?
    • Neubau nach alten Plänen: Historisch sensible Orte wie die Wienzeile sollten nicht zum Experimentierfeld für nicht ausreichend durchdachte Neubaupläne werden. Neue Marktstände (und ggf. auch eine Halle) sollten sich unbedingt an der Architektur der schon bestehenden Stände orientieren. Auch die Originalpläne aus dem frühen 20. Jahrhundert können herangezogen werden.
    • Tempo 30: Der Autoverkehr verleiht der Wienzeile den Hauch einer Schnellstraße, die Lärmbelastung für Anwohner und Marktbesucher ist enorm. Zudem ist eine erhöhte Geschwindigkeit mit größeren Unfallrisiken verbunden. Eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit ist sinnvoll. Zudem wird der Verkehr dadurch flüssiger.
    • Schöne Straßenlaternen: Die prachtvolle Straßenbeleuchtung der Jahrhundertwende auf der Wienzeile könnte abschnittsweise rekonstruiert werden.

    Der alte Naschmarkt

    Nach der Überbauung des Wienflusses und dem Bau der Stadtbahn (heute: U4) befindet sich der Naschmarkt seit etwa 1905 an seinem heutigen Standort. Die einst beschaulichen Straßen auf beiden Seiten wuchsen im Laufe des 20. Jahrhunderts zu regelrechten Schnellverbindungen heran. In den 1970ern drohte Wiens flächenmäßig größtem Markt sogar das Aus. Der Markt sollte geschliffen und stattdessen eine Autobahn vom Stadtrand bis ins Stadtzentrum geführt werden. Ein Glück, dass es dazu nie gekommen ist, denn heute ist der Naschmarkt eine regelrechte Attraktion. Mit allen Vor- und Nachteilen.

    Hier einige alte Aufnahmen vom Naschmarkt:

    Otto Wagner hatte einst die Vision von der Wienzeile einer Prachtstraße – von Karlsplatz bis nach Schönbrunn. Dafür wäre der ganze Wienfluss überplattet worden. Wäre das realisiert worden, ist klar, wie es hier heute aussehen würde: Wir hätten eine Autobahn mitten in der Stadt. Otto Wagner hatte ja nicht ahnen können, wie sorglos Jahrzehnte nach ihm mit dem öffentlichen Raum umgegangen worden ist und immer noch umgegangen wird.

    Wie dem auch sei – mit der Errichtung des Naschmarkts erübrigten sich die Pläne einer Einhausung des Wienflusses:

    Bald nach der Jahrhundertwende gab jedoch auch Otto Wagner diese (…) Pläne auf und schlug stattdessen vor, an der Wienzeile eine „radial gelegene Marktstraße“ für Wien zu errichten. Diese sollte sich prinzipiell über die gesamte Wienfluss-Länge bis Schönbrunn erstrecken können. Baulich stellte er sich den „Wiener Markt“ oder „Marktzeile“ noch im Jahr 1909 in Form zwei geschlossener Reihen entlang der rechten und linken Wienzeile mit niedrigen Hallen oder Markthütten vor, die auf diese Weise einen langgezogenen Hof gebildet hätten (…)

    Was heute an dieser Vision wieder richtig interessant ist: Die Belebung des öffentlichen Raums. Das Schaffen von Flächen, die nicht nur für das Fortbewegen und Abstellen von Fahrzeugen dienen. Vielleicht kann das als Ansatz dazu dienen, die verkehrsbelasteten Straßen und die angrenzenden Räume an der Wienzeile nicht mehr einfach als gegeben hinzunehmen. Denn wie immer gilt: Es kann auch anders sein. Es ist kein Naturgesetz, dass der öffentliche Raum hässlich und unwirtlich bleiben muss.

    Kontakte zu Stadt & Politik

    www.wien.gv.at
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    +43 1 4000 06110

    Die Bezirksvorstehungen sind die politischen Vertretungen der einzelnen Bezirke. Die Partei mit den meisten Stimmen im Bezirk stellt den Bezirksvorsteher, dessen Aufgaben u.a. das Pflichtschulwesen, die Ortsverschönerung und die Straßen umfassen.

    +43 1 4000 81261
     
    Vizebürgermeisterin und Stadträtin Kathrin Gaál untersteht die Geschäftsgruppe Wohnen. Zu dieser gehören u. a. die Baupolizei (kontrolliert die Einhaltung der Bauvorschriften u. dgl.), Wiener Wohnen (Gemeindewohnungen) und der Wohnfonds (Fonds für Neubau und Sanierung).

    (Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)

    Quellen

    WienSchauen.at ist eine unabhängige, nicht-kommerzielle und ausschließlich privat finanzierte Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum.

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