Der nächste Abriss am Gürtel?

Seit zwei Jahren werden Pläne gewälzt, das Gründerzeithaus am Landstraßer Gürtel 17 ganz oder teilweise abzureißen. Aber noch steht das Wohnhaus aus dem Jahr 1893 mit seiner markanten historischen Fassade. Wie lange noch?

Das letzte seiner Art

Eine Schönheit ist er nicht, der Landstraßer Gürtel. Stark verkehrsbelastet und entsprechend laut schneiden seine fünf Fahrspuren mitten durch den dritten Bezirk hindurch. Die lange Häuserzeile am Landstraßer Gürtel hat im 2. Weltkrieg schwere Schäden erlitten. Viele Gründerzeithäuser wurden dabei beschädigt und zerstört. Aber nicht alle. Während rundherum Nachkriegsfassaden und nachträglich vereinfachte Gründerzeithäuser stehen, hat sich Haus Nr. 17 bis heute in originalem Zustand erhalten.

2012 fahren die Abrissbagger auf – für das Nebenhaus. Nr. 15 trug einst den gleichen kunstvollen Fassadenschmuck wie Nr. 17, doch hat man dem Haus in der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 eine glatte Fassade verpasst, wie von einem Anwohner zu erfahren war. Heute findet sich auf Nr. 15 ein schmuckloser Neubau, der sich nicht so recht in die Umgebung einfügen will.

Landstraßer Gürtel 15 (Neubau), 17 und 19 (Gründerzeithäuser), Wien-Landstraße
v.l.n.r.: Landstraßer Gürtel 15 (Neubau nach Abriss), 17 (Abriss geplant), 19 (vereinfachtes Gründerzeithaus)

Gründerzeithaus soll weg

Zu der Zeit hat noch niemand geahnt, was fünf Jahre später auf die Bewohner des Hauses Nr. 17 zukommen würde. Anfang 2017 heißt es dann plötzlich: Wir reißen ab! Im Internet taucht eine Visualisierung auf, die anstelle des historischen Altbaus ein modernes Investorenhaus mit karger glatter Fassade zeigt.

Dass das alte Haus eine Renovierung braucht, hat sich abgezeichnet. Mit einem Abriss hat aber niemand gerechnet.

Die Grünen schreiten ein

Doch die Bezirkspolitik bleibt nicht untätig. Die Grünen Landstraße bringen einen Antrag in die Bezirksvertretung ein. Das Grätzl, in dem das Haus liegt, soll wegen einer Schutzzone geprüft werden. Eine Schutzzone kann dabei helfen, historische Häuser für die Zukunft zu erhalten und Abrisse zu verhindern. Doch noch gibt es am Landstraßer Gürtel keine. Der Antrag wurde mit einer Mehrheit von vier Fraktionen beschlossen.

Kurz darauf wird auch eine Seite auf Facebook eröffnet, die sich dem Haus widmet: Rettet das Fasanviertel.

Der ORF kommt ins Haus

Nach einem Artikel in der Bezirkszeitung und einer Reportage in der Wiener Zeitung wird auch der ORF auf das Haus und seine Bewohner aufmerksam. Ein Team der Doku-Reihe „Am Schauplatz“ besucht zwei Bewohner, die seit Jahrzehnten in dem Haus wohnen und um ihre Wohnung fürchten.

Rathaus beschließt Bausperre

Ende 2017 tritt eine Bausperre in Kraft. Am Landstraßer Gürtel und im ganzen Fasanviertel gelten ab sofort strenge Regeln für den Abriss und Umbau von Gebäuden. Die Bausperre ist eine Vorbereitung auf die Schutzzone.

Gründerzeithaus Landstraßer Gürtel 17, Wien-Landstraße
Landstraßer Gürtel 17: Die Fassade ist original aus dem 19. Jahrhundert. Aber wie lange steht das Haus noch?

Geförderte Sanierung?

Monate vergehen. Noch ist nicht klar, wie der Mehrheitseigentümer auf die Interventionen des Bezirks reagiert. Dann macht die Fassade Probleme. Kleine Teile des Putzes brechen ab. Die Schäden werden umgehend repariert, doch es wird immer klarer: Eine Sanierung muss her.

Schon 2017 heißt es vom Mehrheitseigentümer gegenüber der Bezirkszeitung, es sei noch nicht klar, „ob der vordere Trakt abgerissen und neu gebaut wird und nur der hintere Trakt erhalten bleibt, oder ob beide Trakte generalsaniert werden.“

Im Juni 2018 bringen die Grünen ein Antrag eingebracht, in dem die Stadt aufgefordert wird, mit dem Eigentümer in Kontakt zu treten. Haus Nr. 17 liegt in einem Sanierungszielgebiet, das heißt, der Eigentümer kann eine Förderung für die Sanierung bei der Stadt Wien beantragen.

Was nun?

Zwei Jahre sind seit dem Bekanntwerden der Abrisspläne vergangen. Zwei Jahre, in denen die Politik Schritte gesetzt hat, um das Haus und die aufrechten Mietverträge zu erhalten. Doch wie geht es weiter? Kommt eine Sanierung? Oder doch der Abriss?