Burgtheater: Bühne im Kreisverkehr

Das größte Sprechtheater im deutschsprachigen Raum ist von einer großen Asphaltfläche mit Parkplätzen umgeben. Der öffentliche Raum um Burgtheater und Café Landtmann ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.

Burgtheater und Umgebung von oben, Ringstraße, Rathauspark, Palais Liechtenstein, Löwelstraße, Volksgarten
Das Wiener Burgtheater ist umgeben von Asphalt und Parkplätzen. (Foto: 2020, Kasa Fue, CC BY-SA 4.0)

Weltbühne mit Asphaltwüste

In diesem Artikel geht es um den öffentlichen Raum um das Burgtheater. Wir starten den fotografischen Rundgang vor dem Haupteingang an der Ringstraße, wo eine Nebenfahrbahn für Kfz zwischen Theater und Straßenbahnhaltestelle eingerichtet ist.

Taxi und Leute vor dem Eingang des Burgtheaters, historische Gebäude, Oberleitungen, Straßenbahn, Bäume, Straßenlaternen
Platz vor dem Burgtheater (Foto: 2022)

Bei der Ansicht auf dem Foto unten ist ein Blick auf den Bodenbelag interessant. Hier wird nämlich deutlich, in welchem Ausmaß in Wien auf Asphalt gesetzt wird. Nicht nur alle Gehsteige sind asphaltiert, sondern auch große Plätze wie der Rathausplatz. Warum wird nicht auf hellen glatten Naturstein gesetzt, was für Ästhetik und Mikroklima vorteilhafter wäre?

Theater auf der Wiener Ringstraße im Baustil des Historismus
(Foto: 2020, C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0)

Die Ringstraße vor dem Burgtheater zeichnet sich durch Asphalt, zahlreiche Verkehrszeichen und auf das Auto orientierte Gestaltung aus. Verbesserungswürdig wirkt auch die wechselnde Einfärbung des Radwegs:

Burgtheater und Ringstraße: weite Asphaltfläche, prachtvolle Architektur (Foto: 2021)

Um das Burgtheater sind zahlreiche Parkplätze eingerichtet:

parkende Autos neben Burgtheater, Palais Liechtenstein und Volksgarten
(Foto: 2021)

Zwischen Burgtheater und Volksgarten gibt bzw. gab es eine Tankstelle. An dieser Stelle ist die Fahrbahn sehr breit und komplett asphaltiert. Ursprünglich war hier, wie fast überall ein Wien, eine Steinpflasterung verlegt.

Burgtheater, Straße, Palais Liechtenstein
(Foto: 2021)

Der Josef-Meinrad-Platz ist eine breite Kreuzung zwischen Burgtheater, Palais Liechtenstein und Volksgarten. Auch hier ist der gesamte öffentliche Raum eine durchgehende Asphaltfläche. Bäume gibt es keine:

Straße neben dem Burgtheater
Josef-Meinrad-Platz zwischen Burgtheater und Palais Liechtenstein (Foto: 2021)

Direkt am Burgtheater sind zahlreiche Parkplätze eingerichtet, wohl für Angestellte und Lieferanten:

Parkplatz, historisches Gebäude, Autos
Parkplatz neben dem Burgtheater (Foto: 2021)

Landtmann: Café am Parkplatz

Seit 1873 gibt es das Café Landtmann. Es ist eines der wenigen noch verbliebenen Kaffeehäuser auf der Ringstraße. Um 1900 soll es noch 15 Kaffeehäuser alleine am Ring gegeben haben. Doch so mondän sich das Landtmann auch herausgeputzt hat – die Umgebung spielt da nicht ganz mit. Der alte Glanz der Ringstraße ist vielfach nur noch durch die Gebäude präsent.

Einen Hauch von autofreiem Platz gibt es an dieser Stelle während der jährlich stattfindenden Regenbogenparade, wenn der Ring für den Autoverkehr gesperrt ist. Dann fällt auch die Asphaltfläche mehr auf als sonst:

Kaffeehaus, historische Gebäude, Straße, Leute, Ringstraße, Wien
Platz vor dem Café Landtmann während der Regenbogenparade (Foto: 2021)

Die Zerteilung eines Platzes

Die Karte unten zeigt die Verkehrsflächen um das Burgtheater. Auffällig sind die verstreuten Gehsteige. Das ist wohl der Grund, warum hier eigentlich verhältnismäßig wenige Menschen unterwegs sind, obwohl das Burgtheater mitten im touristischen Zentrum liegt.

Karte mit Verkehrsflächen um das Burgtheater, hervorgehoben sind Gehsteige und Fahrbahnen/Parkplätze
Verkehrsflächen um das Burgtheater - vereinfachte Darstellung (Stand: 2022, Grundlage der Karte: © ViennaGIS)

Burgtheater und Ringstraße im Wandel der Zeit

Die Ringstraße wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, das Burgtheater gibt es seit 1888. Öffentlicher Raum und Verkehr haben sich seither gewaltig verändert. Aus der Straßenbahn- und Fußgängerstadt der Jahrhundertwende wurde ab den 1930ern allmählich eine auf das Automobil ausgerichtete Stadt. In der Nachkriegszeit wurden Straßenbahnlinien rückgebaut, wohl auch, um dem motorisierten Individualverkehr mehr Raum zu geben. Kompensiert wurde das durch weniger effiziente Autobusse. Später kamen leistungsfähige U-Bahnen dazu.

Anders als auf der parallel laufenden Zweierlinie wurden die Straßenbahnlinien auf der Ringstraße nicht eingestellt. Schon auf alten Fotos sind Schienen zu sehen. Der ganze Straßenraum war einst auch quasi eine Art „shared space“, der für Fußgänger überall passierbar war. Parkplätze im heutigen Sinn gab es keine; das Abstellen von Fuhrwerken bzw. Fahrzeugen am Straßenrand war verboten.

Die Ringstraße ist ein Gesamtkunstwerk. Die Straße selbst, die angrenzenden öffentlichen Räume, die Parks und auch die meisten Gebäude wurde zu einer ähnlichen Zeit und in einem ähnlichen Baustil errichtet. Heute nicht mehr zur sehen ist die alte Straßenmöblierung (Laternen, Poller, Gitter, Litfaßsäulen usw.), die nach und nach entfernt worden ist. Stadtregierung und Magistrate lassen Sensibilität und Gespür in Fragen der Ästhetik des öffentlichen Raums seit langem vermissen.

Das Foto unten zeigt die Universität und das Café Landtmann. Die Ringstraße war damals noch ziemlich neu und die Bäume entsprechend klein.

Um 1940 scheint die Pflasterung durch Asphalt ersetzt worden zu sein. Zeigt sich da schon die Anpassung des öffentlichen Raums an die Bedürfnisse des Automobils, das durch seine höhere Geschwindigkeit von glatten Fahrbahnen profitiert?

In den 1950er-Jahren ist die heute bekannte Nutzung und Aufteilung von Straßen und Plätzen schon fest etabliert. In jener Zeit schossen die Pkw-Zahlen in die Höhe. Beträchtliche Teile des öffentlichen Raum wurden nach und nach zu Abstellflächen für private Fahrzeuge.

Luftaufnahme des Wiener Burgtheaters
1956: Burgtheater umgeben von Asphalt und Parkplätzen (Foto: WStLA/Bilderdienst der Stadt Wien)

In den 1970ern gab es um das Burgtheater noch mehr Parkplätze als heute. Auch auf der Seite bei der Ringstraße:

Die noch in den 1990ern für Parkplätze bereitgestellten Flächen wurden später reduziert:

Theater in Wien, Ringstraße
1990er (Foto: Paul Easton, CC BY-NC-ND 2.0)

Noch einmal zurück zum Landtmann. Im direkten Vergleich mit heute ist der Wandel in der Nutzung des öffentlichen Raums vor dem Café besonders gut zu erkennen. Auf dem ersten Foto unten ist links auch noch das Vorgängergebäude des 1915 errichteten Amtshauses zu sehen. 

Der technische Fortschritt bei der Mobilität hat sich in der Nutzung des öffentlichen Raums sichtlich niedergeschlagen. Heute ist die Ringstraße nicht mehr ohne weiteres überall passierbar.

Die Ringstraße direkt vor dem Eingang des Burgtheaters – einst und jetzt:

Wie umgestalten?

Schon um 1970 gab es Pläne für eine autofreie Innere Stadt. Der Vorschlag schaffte es sogar ins städtische Verkehrskonzept. Doch nach der Einrichtung der ersten Fußgängerzonen (Kärntner Straße, Graben, Stephansplatz usw.) schlief die politische Initiative wieder ein. Die Verteilung des öffentlichen Raums wird aber bis heute lebhaft diskutiert. Zugleich sind die Auswirkungen der Klimakrise unleugbar. Große Asphaltflächen, die sich entsprechend aufheizen, verstärken die Hitzeprobleme. Nicht umsonst ist es im Wiener Stadtzentrum im Sommer oft extrem heiß.

Was also tun mit den Straßen um das Burgtheater? Vielleicht könnte es in eine solche Richtung gehen:

  • Parkplätze entfernen
  • Durchfahrenden Kfz-Verkehr reduzieren
  • Möglichst viele Bäume pflanzen
  • Asphalt durch Pflasterung ersetzen
  • Niveau des gesamten Platzes angleichen (keine Gehsteigkanten mehr)
  • Sitzbänke aufstellen (konsumfreie Sitzgelegenheiten)

Einfach wird das nicht, denn die Zufahrten zu einigen Straßen (darunter Löwelstraße und Ballhausplatz) müssen beibehalten werden. Unterhalb der Straßenoberfläche befindliche Rohre und Leitungen könnten die Pflanzung von Bäumen erschweren. Das Burgtheater muss auch weiterhin beliefert werden können. Bei Überlegungen zu einer Umgestaltung kommt auch ein weiterer Aspekt hinzu: Der Platz ist für das Stadtbild sehr sensibel. Jede Intervention muss also sorgfältig bedacht werden.

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+43 1 4000 81261
 
Vizebürgermeisterin und Stadträtin Kathrin Gaál untersteht die Geschäftsgruppe Wohnen. Zu dieser gehören u. a. die Baupolizei (kontrolliert die Einhaltung der Bauvorschriften u. dgl.), Wiener Wohnen (Gemeindewohnungen) und der Wohnfonds (Fonds für Neubau und Sanierung).

(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Mandate im November 2020.)

Fotos

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