Fotos und Text © Georg Scherer, 2018-2019

Halbierte Hoffnung

Die halbe Nordbahnhalle ist weg. Das Gemeinschafts- und Kulturzentrum im 2. Bezirk hat einen herben Rückschlag erlitten. Obwohl sich die Stadt Wien immer wieder für Bürgerbeteiligung und Grätzlinitiativen ausgesprochen hat, wurden die Abrissbagger vorgeschickt. 2020 droht auch der verbliebenen Halle der Abriss.

Im September 2019 wurde die halbe Nordbahnhalle abgerissen.

Grätzlzentrum unerwünscht

Die Nordbahnhalle ist ein Überbleibsel des aufgelassenen Güterbahnhofs, auf dessen Fläche gerade eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Wiens Form annimmt. Die geplanten Wohnbauten sind um die sogenannte “freie Mitte” angelegt. Genau in diesem zukünftigen Park befindet sich die Nordbahnhalle. Von 2017 bis 2019 lief unter Leitung der TU Wien ein Projekt zur Zwischennutzung mit Ausstellungen, kulturellen Events und Konzerten. Doch eine dauerhafte Nutzung war nie geplant.

Seit Monaten versucht die IG Nordbahnhalle – ein Zusammenschluss von Anwohnern, Künstlern, Stadtplanern und Besuchern – das drohende Ende der Halle abzuwenden. Ziel war und ist eine langfristige, nicht-kommerzielle Nutzung von Halle und denkmalgeschütztem Wasserturm. Doch die Stadt hat andere Pläne: Die Umgebung des Wasserturms soll begrünt, Straßenbahnschienen verlegt werden. Und da ist die Halle im Weg. Im September wurde der südliche Teil der Halle geschleift, wie auf WienSchauen.at berichtet.

Destruktion statt Diskussion

“Die Wiener Stadtregierung wirbt offensiv für mehr Beteiligung ihrer Bürger. Doch sobald diese aktiv werden, sperrt sie sich”, schreibt die Wiener ZeitungDie Aktivisten der IG Nordbahnhalle haben sich mit Petitionen an die Stadt Wien gewandt. Trotz tausender Unterschriften für den Erhalt der Halle prallten die Forderungen bisher an der Stadtregierung ab.

Laut Kurier hat Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) mit dem Kulturressort und den ÖBB eine weitere einjährige Zwischennutzung vereinbart. Die Fläche sei aber bereits für neuen Grünraum reserviert. Die Taktik ist durchschaubar: Die Stadtregierung spielt Natur und Grünraum gegen das Gemeinschafts- und Kulturzentrum aus, um für ihre Abbruchpläne zu werben. Dabei nahm die Halle schon vor dem Teilabriss nur rund drei Prozent des geplanten Parks ein. Jetzt sind es noch weniger.

Kompromiss ist möglich!

Gerade in Städten, wo der Raum begrenzt ist und viele unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen, ist es umso wichtiger, einen Ausgleich zu schaffen. Im Fall der Nordbahnhalle ist ein Kompromiss denkbar einfach möglich. Die verbliebene Halle könnte bestehen bleiben und dem neuen Viertel – immerhin 20.000 Bewohner im Endausbau – als kultureller Fixpunkt dienen. Die wenigen Bäume und Grünräume, die dadurch nicht angelegt werden können, sind bestimmt dort willkommen, wo sie ohnehin viel dringender gebraucht werden: In den Gründerzeitvierteln außerhalb des Gürtels, in denen mitunter ganze Straßenzüge quasi ausschließlich aus Asphaltflächen und Parkplätzen bestehen. Die dortigen Bewohner sind durch den Mangel an Begrünung den immer extremeren Hitzewellen im Sommer schutzlos ausgeliefert. Jeder neue Baum hätte dort also einen umso stärkeren Effekt, während es am Nordbahnhofgelände schon jetzt reichlich Begrünung gibt.

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Die Bezirksvertretungen sind die Parlamente der Bezirke. Die Parteien in den Bezirksvertretungen werden von der Bezirksbevölkerung gewählt, meist gleichzeitig mit dem Gemeinderat. Jede Partei in einem Bezirk kann Anträge und Anfragen stellen. Findet ein Antrag eine Mehrheit, geht er als Wunsch des Bezirks an die zuständigen Stadträte im Rathaus.
 
(Die Reihung der Parteien orientiert sich an der Anzahl der Sitze in der Bezirksvertretung im September 2019.)
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