Vom Parkplatz zum urbanen Raum
Die Treustraße ist eine Seitengasse der Wallensteinstraße und liegt nur wenige Gehminuten von der U4-Station Friedensbrücke entfernt. Der öffentliche Raum in der Treustraße war lange Zeit kaum bemerkenswert, denn er unterschied sich nur bedingt von dem der meisten anderen Straßen und Gassen in Wien: viel Platz für den fahrenden und ruhenden Autoverkehr sowie weite Asphaltflächen. Im Gegensatz zu vielen anderen Straßen ist die Treustraße aber deutlich grüner; eine Allee prägt heute ihren gesamten Verlauf. Nur ein Abschnitt fehlte noch: Zwischen Wallensteinstraße und Webergasse kamen erst mit der letzten Umgestaltung Bäume dazu – und noch weit mehr.
2024 wurde der Abschnitt komplett umgestaltet und dabei zur Fußgängerzone. 14 Bäume wurden gepflanzt, zehn Grünflächen angelegt und 1.700 m² Fläche entsiegelt.[1] Dazu kamen 21 Sitzgelegenheiten, ein Wasserspiel und Trinkbrunnen. Eine helle Pflasterung wurde verlegt. Der Umbau erfolgte unter Planungsstadträtin Ulli Sima und Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (beide SPÖ).[2]
Die Schaffung einer Fußgängerzone hat den öffentlichen Raum auf ein ganz neues Niveau gehoben. Die Zufahrt mit Kfz ist für Anrainer weiterhin möglich. Auch Radfahrer können in der Fußgängerzone fahren.
Die Bäume sind von großen Grünflächen umgeben. Die Größe der offenen Beete fällt jedoch weniger ins Gewicht, da auch die Mitte der Straße begehbar ist. Kurzum: Für Fußgänger und den konsumfreien Aufenthalt bleibt neben der Begrünung ausreichend Platz.
Wie bei vielen in den letzten Jahren angelegten Grünflächen wurden auch in der Treustraße sogenannte „Schotterbeete“ angelegt – also Stauden- und Gräserpflanzungen in mit Schotter bzw. Kies bedeckten Beeten. Bei erst kürzlich angelegten Grünflächen (siehe Foto unten) gibt das mitunter ein etwas trauriges Bild ab. Immergrüne Gehölze, wie sie bei älteren Grünanlagen häufiger zu finden sind, werden bei solchen Neugestaltungen hingegen kaum eingesetzt.
Wallensteinstraße: Warten auf Umgestaltung
Durch die Umgestaltung zur begrünten Fußgängerzone ist ein kurzer Abschnitt der Treustraße deutlich attraktiver geworden – im Sinne der Klimawandelanpassung, der Ästhetik und der Funktionalität für Fußgänger und Radfahrer. Die weit größere Aufgabe für den Bezirk und die Stadtregierung wartet aber direkt nebenan: Seit vielen Jahren laufen Diskussionen über die Zukunft der Wallensteinstraße. Die fast einen Kilometer lange Straße hat für die Brigittenau eine hohe Bedeutung, was sich bislang nicht in ihrer Gestaltung widerspiegelt. Bäume und Radwege fehlen, für den Autoverkehr steht unverhältnismäßig viel Fläche zur Verfügung. Für eine lokale urbane Einkaufsstraße sind das keine optimalen Voraussetzungen, da die Aufenthaltsqualität – nicht zuletzt bedingt durch den Verkehrslärm – leidet. Im Sommer kommt die mangelnde Beschattung durch das Fehlen von Bäumen hinzu.
An einer Umgestaltung und Aufwertung der Wallensteinstraße wird langfristig kein Weg vorbeiführen. Die Voraussetzungen – ein großes Einzugsgebiet durch die dichte Bebauung und belebte Erdgeschoßzonen – sind vielversprechend. Kleinere Umgestaltungen wie in der Treustraße könnten Vorbild für flankierende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sein, ersetzen den Umbau der Wallensteinstraße auf lange Sicht aber nicht.
Quellen
- [1] Sima/Dubravac-Widholm: Treustraße wird zur begrünten Oase (Presseaussendung der Stadt Wien, 30.8.2024)
- [2] Sima/Dubravac-Widholm: Begrünte Treustraße erblüht in neuem Gewand (Presseaussendung der Stadt Wien, 31.3.2025)
- Alle Fotos sind © Georg Scherer / wienschauen.at
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