Schönes Viertel, verparkte Straßen
Das Servitenviertel im 9. Bezirk ist für seine vielen kleinen Geschäfte und Lokale, sowie für seinen gut erhaltenen Altbaubestand bekannt. Zumindest in Bezug auf den öffentlichen Raum verblüfft der gute Ruf eigentlich. Viel mehr als ein kurzer Abschnitt der Servitengasse ist es nicht, der dem Viertel seinen Charme verleiht. Auch dieser Abschnitt war lange Zeit zu einem Teil dem parkenden Autoverkehr vorbehalten. In die Detailgestaltung hatte man hingegen irgendwann etwas mehr investiert: Straßenlaternen, gepflasterte Fahrbahnen, grüne Poller.
Diese Gestaltung zog sich bis in den angrenzenden Teil der Grünentorgasse. Beide Straßen waren durchgehend für Kfz befahrbar. Die Grünentorgasse war zudem durch raumnehmende Schrägparkplätze verstellt. Nur auf einem kurzen Abschnitt war auf Parkplätze verzichtet worden.
Umgestaltung 2023
Die autolastige Flächenverteilung wurde 2023 abschnittsweise korrigiert. Die Parkplätze in Teilen der Servitengasse und Grünentorgasse wurden entfernt, ebenso die alte Pflasterung der Fahrbahn und einige Poller. Elf neue Bäume wurden gepflanzt, 330 m² Grünflächen angelegt und 27 neue Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Auch in der Grünentorgasse wurde ein Abschnitt neu gestaltet. Durch die Entfernung der Parkplätze entstand Raum für Bäume und Beete.
Die Grenzen der neuen Gestaltung
Die Umgestaltung entspricht dem aktuell in Wien üblichen Standard, erfreulicherweise wurden in der Detailgestaltung einige zum Umfeld passende Designs verwendet: Straßenlaternen und Sitzbänke folgen alten Modellen, auch die Umzäunung der Baumscheiben ist angenehm dezent. Auf klobige Betonbänke wurde erfreulicherweise verzichtet. Das Entfernen der intakten und formschönen Fahrbahnpflasterung verwundert, könnte aber mit dem Bestreben nach mehr Barrierefreiheit zu tun haben.
Ist der nun verkehrsberuhigte Teil des Servitenviertels als Bezirks- oder Grätzlzentrum gedacht, fällt das Ausmaß der Umgestaltung aber etwas klein aus. Für einen Bezirk mit über 40.000 Einwohnern hätte das Projektgebiet ruhig etwas größer sein können.
Anfang der Servitengasse nicht umgebaut
Der nahe der Porzellangasse gelegene Teil der Servitengasse wurde nicht umgebaut. Hier herrscht auch ein Mix an unterschiedlichen Bodenbelägen vor.
Weiterhin Asphalt
Auf diesem Abschnitt ist immer noch teilweise Asphalt verlegt. Unattraktiv wirkt etwa der asphaltierte Wendehammer (die Fläche, auf der Autos umdrehen können).
Kein Fahrverbot
Warum wurde die Servitengasse nicht auch an ihrem Anfang umgebaut? Wäre ein Fahrverbot (mit Ausnahme für Anrainer und Lieferanten) nicht die bessere Lösung gewesen? Gerade dieser Abschnitt sollte möglichst einladend gestaltet sein, da es sich um das Eintrittstor ins Viertel handelt.
Grünentorgasse: Nur kurzer Abschnitt umgebaut
Die Grünentorgasse ist fast 500 Meter lang. Nur ca. 80 Meter davon wurden umgebaut und verkehrsberuhigt. Auch die Servitengasse gehört auf einem langen Abschnitt immer noch dem parkenden Autoverkehr. Immerhin wurden im nicht-verkehrsberuhigten Teil der Servitengasse einige Bäume gepflanzt.
Einige neue Grünflächen sind Beete ohne Bäume. Ist das eine vorübergehende Lösung oder ein dauerhafter Zustand? Die Sinnhaftigkeit solcher Begrünungen ist abseits vom ästhetischen Gewinn jedenfalls fraglich, da Beete keinerlei Beschattung bieten. Zudem verbrauchen sie viel Platz. Auch das Design der Müllbehälter wirkt nicht stimmig.
Vorher vs. Nachher
So hat sich die Servitengasse verändert:
Die Veränderung der Grünentorgasse:
Quellen
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