In der Inneren Stadt gibt es einen Platz, der noch kein Platz ist, aber einer werden könnte. Der breite Teil der Schottengasse wartet nur darauf, von einer faden Verkehrsfläche in einen urbanen Raum verwandelt zu werden.
Platzverschwendung in bester Lage
Wien ist historisch gesehen nicht unbedingt eine Stadt der großen, belebten Plätze; eine ausgeprägte Platzkultur, wie man sie etwa aus Italien kennt, fehlt weitgehend. Dennoch konnten dem motorisierten Verkehr im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Flächen erfolgreich abgerungen werden. So musste beispielsweise der Stephansplatz lange Zeit als Fahrbahn und Parkplatz für den Autoverkehr herhalten. Ähnlich sehen heute noch viele andere Straßen und Plätze aus. Dazu gehört auch der äußere Abschnitt der Schottengasse, der mit 39 Metern sogar breiter ist als der Graben.
Genutzt wird die Schottengasse mehrheitlich als Fahrbahn und Parkplatz. Der öffentliche Raum ist fast durchgehend asphaltiert.
Der breite Abschnitt der Schottengasse ist rund 4.500 Quadratmeter groß. Das ist etwa so groß wie der Michaelerplatz und nur ein wenig kleiner als der Hohe Markt.
Attraktiv gestaltet ist die Ecke beim Mölker Steig, wo auch die einzigen Bäume der Schottengasse stehen (Foto unten). Könnte der ganze Platz einmal so aussehen?
Viel Straße - wenig Platz
Wer durch die Schottengasse spaziert, denkt wohl kaum an einen urbanen Platz. Kein Wunder, denn Fahrbahnen und Parkplätze nehmen mehr als die Hälfte der Fläche ein. Die Gehsteige beschränken sich auf die Ränder, Bäume fehlen fast völlig. Für die Berechnung der Verkehrsflächen wurden der breite Abschnitt der Schottengasse und der kurze Bereich des Mölker Steigs herangezogen (die graue Fläche auf der Karte).
Die nächste Grafik zeigt den Querschnitt der Gasse.
Straße aus Tradition
Der aktuelle Zustand der Schottengasse entspricht in vielen Punkten noch dem der 1970er-Jahre. Damals scheint es sogar noch deutlich mehr Parkplätze gegeben zu haben als heute.
Auch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich an der Platzgestaltung und Verkehrsführung offenbar wenig geändert. Eine größere öffentliche Debatte über die Nutzung und Gestaltung des Platzes ist jedenfalls bislang nicht erkennbar. Die Neugestaltung der Ringstraße und die Zufahrtsbeschränkung für Kfz könnten Anlässe sein, um über die Zukunft der Schottengasse nachzudenken.
Die alte Schottengasse
Ein klassischer Stadtplatz war die Schottengasse auch früher nicht. Schon um die Jahrhundertwende fungierte sie als vielgenutzte Verkehrsfläche, erst für Fuhrwerke, dann auch für Straßenbahnen und Automobile. Straßenbahngleise gibt es in der Schottengasse heute nicht mehr.
Vision: Stadtplatz und Entrée
Wie könnte die Schottengasse in Zukunft aussehen? Wie könnte sie genutzt werden? Was lässt sich ändern, was muss bleiben? Hier einige Ideen:
- Ziel: ein einheitlich gestalteter Stadtplatz mit großzügigen Fußgängerflächen (ähnlich der Freyung)
- Entfernung aller Parkplätze
- Maximale Vergrößerung der Fußgängerflächen
- Verlegung der Bushaltestelle in die Helferstorferstraße – oder: Reduktion der Fahrbahn auf eine Spur in der Mitte (falls die Buslinie an dieser Stelle weiterhin geführt werden muss)
- Versetzung der Nightline-Bushaltestelle
- Pflanzung von Bäumen
- Keine Pflanzung von Sträuchern und Blumenbeeten (um den Platzcharakter zu erhalten und Flächen nicht von Fußgängern wegzunehmen)
- Entfernung der Hängeleuchten, Aufstellen von Straßenlaternen
- Barrierefreie Pflasterung statt Asphaltbelag
- Aufstellen klassischer Wiener Parkbänke um die Bäume (keine Betonbänke oder modische Experimente)
- Verkehrsberuhigung der angrenzenden Gassen
Quellen
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