Wien hat einen neuen Park. Anstelle eines Parkplatzes neben dem Naschmarkt wurden Bäume gepflanzt, Grünflächen geschaffen und zahlreiche Sitzgelegenheiten aufgestellt. Der öffentliche Raum an der Linken Wienzeile hat dadurch eine bedeutende Aufwertung erfahren.
Vorher: Autos & Asphalt
Der Naschmarkt ist einer der bekanntesten Märkte Wiens und liegt auch in einem ganz speziellen Stadtraum: Zwischen den hohen Bauten aus dem Historismus, Jugendstil und sogar aus der Zeit des Austrofaschismus und umgeben vom dichten Verkehr der Wienzeile erstreckt sich der Markt über einen halben Kilometer. Hier treffen unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen aufeinander. Der Markt selbst, teils stark durch den Tourismus geprägt, versprüht aber in seinem Umfeld noch etwas vom herben alten Charme: graue Asphaltflächen, Fahrzeuglärm und eine gewisse Unordnung verweisen auf einen Ort, der nicht ohne Widersprüche ist. Soll der Naschmarkt eine Touristenattraktion sein? Eine bloße Gastronomiemeile? Oder ein Markt, an dem Anrainerinnen und Anrainer tatsächlich zum Einkaufen kommen? Ähnlich spannungsgeladen ist das Umfeld: Muss so viel Autoverkehr Tag und Nacht mitten in der Stadt – in der Umgebung stehen mehrheitlich Wohnhäuser – wirklich hingenommen werden? Und wohin ist die historische Stadtmöblierung mitsamt den prachtvollen Laternen eigentlich hingekommen?
Während der Markt heute trotz allem zu den beliebtesten Orten der Stadt gehört, sah es stadtauswärts lange Zeit weniger freundlich aus. Hinter der U4-Station Kettenbrückengasse prägte eine weite Asphaltfläche den öffentlichen Raum, der bis 2024 als Parkplatz genutzt wurde. Angesichts der zentralen Lage und des generellen Mangels an Grün- und Freiflächen schien diese Nutzung längst nicht mehr zeitgemäß. Dazu ist 2021 auch ein Artikel auf WienSchauen erschienen.
In einem Bürgerbeteiligungsverfahren kristallisierten sich unter anderem Wünsche nach Begrünung, einem Platz für regionale Produkte und dem Erhalt des Flohmarkts heraus. Als Sieger des anschließenden Realisierungswettbewerbs gingen das Planungsbüro DnD Landschaftsplanung und das Architekturbüro Mostlikely hervor.[1] Eine von der Stadt Wien als „Marktraum“ bezeichnete Markthalle wurde gegenüber dem Majolikahaus von Otto Wagner errichtet. Der Neubau erscheint für das Stadtbild und die Wirkung des berühmten Jugendstilbaus nicht unproblematisch – zu nah ist der Marktraum am Otto-Wagner-Bau, zu wenig feingliedrig ist seine Architektur.
Die Lage über dem historischen Wienflussgewölbe und der U-Bahn machte das Anlegen eines klassischen Parks schwierig. „Die Oberfläche ist dort teilweise nur 70 cm dick, daher muss jeder einzelne Baumstandort akribisch geprüft werden, auch die Baumsorten sind sehr sorgfältig auszuwählen“, so die Landschaftsarchitektin Sabine Dessovic. „Richtig große Bäume sind nur am Randbereich möglich, in der Mitte arbeiten wir mit kleineren Bäumen und Sträuchern sowie weitläufigen Grünflächen und bunten Gräserbeeten, um dennoch viel Grünvolumen zu schaffen.“ Gepflanzt wurden auch großkronige Bäume. Statt Asphalt gibt es nun eine helle, hitzeabweisende Pflasterung.[2]
Neuer Park an der Wienzeile
Der „Naschpark“ getaufte Park ist rund 6.800 Quadratmeter groß und umfasst neben etlichen Grünflächen auch 70 Bäume, davon knapp 50 neu gepflanzte. Ergänzt wird die Fläche durch Pergolen, Sitzgelegenheiten, Tische, Hängematten, Brunnen und Liegewiesen. Neu gestaltet wurde auch der Radweg vom Margaritensteg zur Linken Wienzeile.[3]
Noch auf eine Umgestaltung wartet der Bereich zwischen dem neuen Park und dem Naschmarkt – also jener Ort, an dem regelmäßig der bekannte Flohmarkt stattfindet. Bei dieser zweiten Bauphase soll eine Multifunktionsfläche entstehen, auf der auch weiterhin der Flohmarkt seinen Platz hat.
Der neue Park liegt neben der repräsentativen Bebauung der Jahrhundertwende an der Linken Wienzeile (siehe unten). Dennoch ist der Park von den Gebäuden etwas abgerückt, da sich dazwischen noch Kfz-Fahrspuren, ein Radweg und Parkplätze befinden. Der Verkehrslärm ist nicht zu unterschätzen, zumal an dieser Stelle kein Tempo 30 gilt.
Aufgrund der zum Teil nur dünnen Erdschicht wird die langfristige Pflege und Bewässerung der Rasenflächen zu einer Herausforderung. Auch die Belastung des Grases durch die Nutzung der Flächen dürfte nicht gerade gering sein.
Vor der angrenzenden Bebauung an der Rechten Wienzeile gibt es neben der Fahrbahn weiterhin Parkplätze.
Auf der Linken Wienzeile wurde die asphaltlastige Gestaltung belassen. Eine durchgehend hochwertige Gehsteigpflasterung, wie man sie etwa in Prag und vielen italienischen und niederländischen Städten findet, gibt es dort nicht. Auf Straßenlaternen in historischem Design wurde verzichtet. Vergleichbare Laternen gibt es heute übrigens noch in Budapest (zum Beispiel in der Dózsa György út oder am Szabadság tér) oder Prag (beispielsweise am Náměstí Republiky oder in der Řásnovka).
Quellen
- [1] Naschmarkt-Parkplatz: Sieger-Konzept verwandelt größte innerstädtische Hitzeinsel in blühende Grünoase (Presseaussendung der Stadt Wien, 13.11.2023)
- [2] Baustart am Naschmarkt-Parkplatz: Betonwüste wird zu blühendem „Naschpark“ (Presseaussendung der Stadt Wien, 3.10.2024)
- [3] Sima/Lessacher/Arapovic: Park statt Parkplatz: Der neue Naschpark ist fertig! (Presseaussendung der Stadt Wien, 15.9.2025)
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