„Mariahilfer Tor“: Ein Entrée für die Mariahilfer Straße

Die Mariahilfer Straße ist umgebaut und verkehrsberuhigt. Die ganze Mariahilfer Straße? Nein, denn ein kleiner Abschnitt beim Gürtel widersetzt sich bisher einer nachhaltigen Verbesserung.

Genau an dieser Stelle könnte ein „Tor“ zur inneren Mariahilfer Straße entstehen. Ein freundliches und breites Entrée, verkehrsberuhigt und attraktiv gestaltet. Eine Öffnung hin zum Westbahnhof und Gürtel, die zum Einkaufen und Aufenthalt einlädt. Eine großstädtische Geste, die die Mariahilfer Straße vervollständigt.

Blick auf die Mariahilfer Straße beim Gürtel, Christian-Broda-Platz
Mariahilfer Straße beim Gürtel: immer noch nicht attraktiv gestaltet und verkehrsberuhigt (Foto: 2025)

Mariahilfer Straße: Umbau auf Raten

Die Mariahilfer Straße ist die längste Einkaufsstraße Wiens. Sie hat über die Jahrzehnte mehrmals ihre Gestalt verändert, besonders nachhaltig durch die Schaffung der Begegnungs- und Fußgängerzone auf dem inneren Abschnitt in Jahr 2015. Auch bei der lange Zeit weitgehend außer Acht gelassenen äußeren Mariahilfer Straße – der Abschnitt im 15. Bezirk, jenseits des Gürtels – tut sich einiges. Seit 2024 wird auch hier umgestaltet, im Zentrum steht die Schaffung brauchbarer Radinfrastruktur und breite Gehsteige samt Begrünung.

Zwischen äußerer und innerer Mariahilfer Straße liegt der breite Gürtel, der mitunter den Eindruck einer Stadtautobahn erweckt. Eine ähnlich un-urbane Verkehrslösung findet sich am Anfang der inneren Mariahilfer Straße, neben dem Christian-Broda-Platz. Hier dominieren trotz eines Umbaus im Jahr 2024 Asphalt und Autofahrspuren. Eine attraktive Eingangssituation ist das nicht.

Blick über den Gürtel hin zur Mariahilfer Straße, links Neubau, rechts Mariahilf
Hinter dem Gürtel liegt die innere Mariahilfer Straße. (Foto: 2025)

Christian-Broda-Platz: Umgestaltung ohne Weitsicht

Der Christian-Broda-Platz war zweifellos einer der hässlichsten Plätze Wiens. Die aus dem Jahr 2007 stammende Planung erwies sich rasch als unbrauchbar und unbeliebt, 2024 wurde schon wieder alles erneuert. Durchaus positiv, aber doch wieder allzu klein gedacht: Anstatt die am Platz vorbeiführende Mariahilfer Straße ebenfalls umzubauen, blieb es bei einer allzu verhaltenen Lösung. Ein neuer Radweg auf beiden Seiten, die weite Asphaltfläche in der Mitte – eine mehrspurige Kfz-Fahrbahn – blieb unangetastet.

Die Fotos oben und unten zeigen den Christian-Broda-Platz bereits nach dem Umbau. Was auch deutlich wird: Die den Platz durchschneidenden Straßen wurden beibehalten. Im Rahmen der teuren Umgestaltung traute sich die Politik nicht einmal, den Platz zu einer durchgehenden Fußgängerzone zu machen.

Vision: Tor zur Mariahilfer Straße

Mit der Neugestaltung des Christian-Broda-Platzes gesteht die Politik das Scheitern der Planung von 2007 ein. Doch anstatt diesmal größer zu denken, wurde nur oberflächlich umgebaut. Natürlich wirkt der Platz jetzt viel freundlicher und die zusätzlichen Bäume sind eine große Verbesserung. Aber es wäre doch so viel mehr möglich gewesen.

Was passiert ist, ist passiert. Jetzt gilt es, in die Zukunft zu blicken. Deswegen hier der Vorschlag eines „Mariahilfer Tors“ – also einer den Broda-Platz und die Mariahilfer Straße umfassenden Umgestaltung mit Einrichtung einer Fußgängerzone. Dabei geht es um den noch nicht umgebauten Teil der Mariahilfer Straße zwischen Gürtel und Kaiserstraße (die rosa Fläche in der Grafik unten).

Blick von oben auf Mariahilfer Straße und Gürtel
Der linke Teil dieses Abschnitts der Mariahilfer Straße wartet noch auf eine Veränderung. (Foto: 2025)

Für die Schaffung einer durchgehenden Fußgängerzone wären folgende Änderungen nötig bzw. sinnvoll:

  • Sperre der Durchfahrt für Kfz am Anfang der inneren Mariahilfer Straße
  • Die Durchfahrt könnte für Lieferanten der Mariahilfer Straße u.U. vormittags erlaubt werden (wie in der bestehenden Fußgängerzone)
  • Wendehammer (Umkehrmöglichkeit für Kfz) in der Bürgerspitalgasse und Millergasse
  • Fügergasse: Streichung der Einbahn
  • Radwege und Schienen können beibehalten werden
  • Einheitliche Pflasterung und Begrünung des gesamten Platzes: Anpassung an die Gestaltung des Christian-Broda-Platzes
  • Neue Baumreihe in der Mitte der Mariahilfer Straße (anstelle der jetzigen Fahrbahn)
Karte, Mariahilfer Straße, Gürtel
So könnte ein "Mariahilfer Tor" aussehen (zugrundeliegende Karte: © ViennaGIS)

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