Kolingasse: Die große Platzverschwendung

Die nahe dem Schottenring gelegene Kolingasse ist nicht viel mehr als ein großer Parkplatz. Das muss nicht so bleiben. Könnte hier ein linearer Park entstehen? Oder ein einladender Stadtplatz? Oder beides?

Autos, Gründerzeithäuser, Bäume, Büsche
Kolingasse im 9. Bezirk: zwei Baumreihen, viele Parkplätze, viel Asphalt (Foto: 2024)

Großparkplatz statt urbaner Raum

Wie lassen sich rund 11.000 Quadratmeter öffentlicher Raum in bester Lage nutzen? In Wien-Alsergrund hat man sich seit vielen Jahrzehnten dafür entschieden, diese Fläche in erster Linie als Fahrbahn und Parkplatz zu verwenden.

Allee in Wien-Alsergrund
Hauptfahrbahn in der Kolingasse (Foto: 2026)

Die Kolingasse liegt im neunten Bezirk zwischen Votivkirche und Rossauer-Kaserne. Prägend sind die prachtvollen Bauten aus dem 19. Jahrhundert und die vielen Bäume. Der öffentliche Raum wird durch Autos und Asphalt dominiert.

parkende Autos, Wien-Alsergrund
Kolingasse (Foto: 2021)

Mit etwa 310 Metern ist die Kolingasse deutlich länger als beispielsweise der Graben. Zusammen mit dem nahen Schlickplatz vor der Rossauer-Kaserne erreicht sie etwa die Länge des Rathausparks am Ring.

Gasse in Wien-Alsergrund mit parkenden Autos und Bäumen
Kolingasse (Foto: 2026)

Wie viel Straße braucht eine Gasse?

Die Kolingasse ist etwa 38 Meter breit und hat fünf Spuren, die vor allem für Kfz-Parkplätze genutzt werden. Werden die Verkehrsflächen näher betrachtet, wird die Schieflage deutlich: Fahrbahnen und Parkplätze – einschließlich vereinzelter Radabstellplätze – machen rund 65 % der Fläche aus. Für die Berechnung wurde die hier markierte Fläche zwischen den Gebäuden herangezogen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung des Querschnitts (siehe unten). Bei bis zu neun Fahr- und Parkspuren ist es kein Wunder, dass der öffentliche Raum erstaunlich menschenleer ist. Die Gasse ist trotz ihrer auf den ersten Blick freundlichen Erscheinung – historische Gebäude und viele Bäume – kein urbaner Platz, sondern ein nie korrigiertes Verkehrsrelikt.

Eingefroren in der Zeit

An der Aufteilung der Verkehrsflächen hat sich seit den 1970er-Jahren offenbar nicht viel verändert. Schon auf alten Luftbildern ist die Nutzung als Parkplatz zu sehen.

Ein klassischer Stadtplatz war die Kolingasse nie. Die grundsätzliche Anordnung mit zwei Baumreihen, zwei Nebenfahrbahnen und einer breiten Hauptfahrbahn war schon um die Jahrhundertwende fixiert. Der Hintergrund der ungewöhnlichen Breite dürfte in ihrer Funktion als Blickachse für die Rossauer-Kaserne liegen.

historische Aufnahme einer breiten Gasse in Wien
Kolingasse mit Blick auf die Rossauer-Kaserne (Foto: um 1898, Wien Museum Inv.-Nr. 234288, CC0)

Heute fallen die autozentrierte Nutzung und der Asphaltbelag ins Auge. Während Entsiegelung und die Schaffung von attraktiven öffentlichen Räumen zunehmend an Bedeutung gewinnen, hat die Kolingasse bisher offenbar keine größere politische Aufmerksamkeit erhalten.

Vision: Linearer Park und Verkehrsberuhigung

Die Kolingasse könnte viel mehr sein, als sie heute ist. Bei einer Fläche von etwa 310 mal 38 Metern und mit den vielen Bäumen sind die Voraussetzungen für eine grundlegende Umgestaltung hervorragend. Zudem ergibt sich in der dicht verbauten Umgebung eine entsprechende Dringlichkeit, da es an attraktiven und kostenlos nutzbaren Räumen für die Bevölkerung mangelt. Hier einige Ideen:

  • Entfall der Parkplätze und stattdessen Schaffung vereinzelter Halteplätze und Grätzl-Ladezonen vor den Häusern (für Lieferanten, zum Zufahren, für Fahrzeuge von Umzugsfirmen usw.)
  • Entfernung der Hauptfahrbahn, Erhalt der Straßenbahngleise im unteren Bereich der Gasse
  • Erhalt der Nebenfahrbahnen für Anrainer, Lieferanten, Handwerker etc.
  • Umbau der Hauptfahrbahn zu einem begrünten urbanen Platz bzw. Park mit Fokus auf Fußgänger und Radfahrer
  • Belebung der Erdgeschoßzonen (für Geschäfte, Gastronomie usw.)
  • Ersetzung der Hängeleuchten durch Straßenlaternen
  • Barrierefreie Pflasterbeläge statt Asphalt

Als Vorbild für eine solche Transformation können die grünen Achsen von Barcelona herangezogen werden. Sie sind das Ergebnis einer großangelegten Umgestaltung und haben weithin Beachtung gefunden. Hier einige Impressionen aus der katalanischen Stadt:

Der Carrer del Consell de Cent – eine der grünen Achsen – hat sich durch die Umgestaltung stark gewandelt:

An der Kreuzung von Carrer de Girona und Carrer del Consell de Cent treffen zwei grüne Achsen aufeinander (Fotos unten). Aus der großen Straßenkreuzung wurde ein urbaner Platz mit Begrünung.

Quellen

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