Ein letzter Besuch in der Alten WU

Der Althangrund ist im Wandel. Während die Überbauung des Franz-Josefs-Bahnhofs erhalten und umgebaut wurde, ist die Zukunft der 1982 fertiggestellten Alten WU ungewiss. Auf die Übersiedlung der Wirtschaftsuniversität im Jahr 2013 folgte eine Phase der Zwischennutzung, die im Jänner 2026 endete. Nun droht dem noch jungen Gebäude der Abriss.

Ein Spaziergang am letzten Tag der Zwischennutzung dokumentiert ein Bauwerk, das es in dieser Form vielleicht bald nicht mehr geben wird.

Ein Koloss im Stadtraum

Die alte WU in Wien war bei ihrer Fertigstellung 1982 ein Meilenstein der modernen Universitätsarchitektur. Entworfen von Kurt Hlaweniczka, verkörpert sie mit ihren Betonfassaden, offenen Leitungen und großzügigen Gemeinschaftsräumen den Zeitgeist der 1980er Jahre. Doch nach nur 31 Jahren Nutzung zog die WU 2013 in den neu errichteten Campus am Prater um. [1]

Die Alte WU (…) ist eine großzügige, autofreie Stadtlandschaft mit architektonischer Qualität und einem einzigartigen Charakter. Errichtet zwischen 1975 und 1982 nach Plänen von Kurt Hlaweniczka, Karl Schwanzer und Gerhard Krampf, umfasst das Universitätszentrum Althangrund 1 (UZA 1) rund 110.000 m² Bruttogeschossfläche. Markant sind neben der Aluminium-Glas-Fassade, die breiten Freitreppen, das auskragende Audimax und die offenen Ebenen, die vielfältige Zugänge zum Stadtraum ermöglichen. [6]

Der bestehende Gebäudekomplex wird ab 2027 [teilweise?] abgerissen. Auf der Fläche wird ein neuer Campus entstehen, der in erster Linie von der Universität Wien und der Universität für Bodenkultur (BOKU) genutzt werden soll. [2]

Bis 2032 soll nach Plänen des Bundes, der Stadt Wien, der ÖBB und der BIG „ein hochmoderner Bildungscampus“ daraus werden. Die Vorgabe der BIG für den Wettbewerb: der Erhalt von 40 Prozent der Bestandsstruktur. [3]

Weit im Innern

Das Gebäude der ehemaligen Wirtschaftsuniversität (…) ist ein Riesenkonstrukt aus Beton, Metall und Glas. Für einige mag es kein schöner Anblick sein, doch für viele Menschen war es im letzten Jahrzehnt ein Ankerpunkt, der ihnen nun genommen wird. In der alten WU (…) wuchs ein Stützpunkt für Sozialprojekte und Kultur, wo Menschen zusammenkommen, Studierende lernen können und wo Räume geschaffen wurden, in welche die Technische Universität, die Universität für Bodenkultur Wien und weitere Institutionen ausweichen konnten. [4]

Die BIG [Bundesimmobiliengesellschaft, der Eigentümer] zeichnet ein nüchternes Bild: Das Gebäude sei technisch am Ende und erfülle heutige Sicherheitsstandards nicht mehr. «Der Bestand ist modernen universitären Anforderungen nicht mehr gewachsen» (…) Grund dafür seien neben mangelndem Licht und den Vibrationen durch den Bahnbetrieb auch die zu niedrigen Räumlichkeiten.

Der Architekt Johannes Zeininger von der Allianz Alte WU hält das Konzept der «Transformation» dagegen. Der Abriss sei kein technischer Zwang, sondern Folge einer Trägheit, die lieber auf «kalkulierbare Neubauten» setze. Sein Argument: Man müsse nicht das Gebäude gewaltsam an ein Idealbild anpassen, sondern fragen, welche Nutzung der Bestand verträgt. [4]

Das UZA 1 [Hauptgebäude der Alten WU] gehört der Bundesimmobiliengesellschaft, die an seiner Stelle Neubauten für die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur und einen Bundesschulstandort plant. Man fragt sich, warum ein Universitätsbau der 1970er Jahre, der für Nutzungsflexibilität konzipiert wurde, heute abgerissen und durch Neubauten für dieselbe Nutzung ersetzt werden muss. [5]

Anstatt jedoch konsequent mit der bestehenden intakten Bausubstanz zu arbeiten und damit ressourcenschonend zu agieren, besteht die Gefahr, dass große Teile des Bestands der „Alten WU“ abgerissen werden. Angesichts der Klimakrise, stellt ein solches Vorgehen eine aus der Zeit gefallene Strategie dar. Europaweit fordern Initiativen einen Paradigmenwechsel im Bauwesen: weg vom Abriss, hin zur Nutzung bestehender Bauten und Transformation. [6]

Natürlich ist der Bestand nicht perfekt: Manche Räume sind schlecht belichtet, das Parkhaus im Sockelbereich braucht eine Umstrukturierung zugunsten eines hochwertigen Stadtraums mit Aufenthaltsqualität. Doch genau hier liegt das Potenzial: Die Alte WU soll [nach Vorstellungen von Kritikern des Abrisses] nicht museal konserviert, sondern weiterentwickelt werden – ausgehend von dem, was da ist: baulich, sozial, kulturell. [6]

Blicke nach draußen

[Die Alte WU] soll nach nur 45 Jahren großteils abgerissen und neu gebaut werden. Das ist insofern dramatisch, als die Bauwirtschaft für zehn Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist, in Österreich verursacht der Bausektor fast zwei Drittel des Abfallaufkommens. (…) Die „graue Energie“, die in Materialproduktion, Bau und letztlich Abriss und Entsorgung fließt, bleibt für immer verbraucht. [7]

[Die Allianz Alte WU] kritisiert, dass im Wettbewerb nicht vorgegeben wird, dass der vorhandene Bau erhalten werden muss (…) „Wir wollten klarmachen, dass es sehr wohl Spielraum für Projekte gibt, die auf den Erhalt und die Weiterentwicklung statt auf einen Abbruch setzen. Auch 100 Prozent Bestandserhalt sind möglich“ (…) [8]

Quellen

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