Der neben der Mariahilfer Straße liegende Christian-Broda-Platz wurde umgestaltet und begrünt. Die Gestaltung von 2007 war so schlecht, dass 2024 schon wieder umgebaut wurde. Der Gesamteindruck hat sich dadurch deutlich verbessert.
Doch auch diesmal traute sich die Politik nicht, ein würdiges Entrée für die Mariahilfer Straße zu schaffen, die hier immer noch durch Asphalt und Autoverkehr geprägt ist. Der öffentliche Raum ist Stückwerk geblieben.
Misslungener Platz
Unter den vielen unattraktiven Plätzen Wiens nahm der Christian-Broda-Platz die längste Zeit zweifellos einen der vorderen Ränge ein.
Ursprünglich als „Mariahilfer Platzl“ bekannt, befanden sich anstelle des heutigen Broda-Platzes bis in die 1980er eine Nebenfahrbahn, ein Parkplatz und eine Straßenbahnstation. Der eigentliche Platz entstand dann im Rahmen der Verlängerung der U-Bahn-Linie 3. Anfangs war eine teilweise Bebauung vorgesehen. Nach dem Scheitern des Projekts ging es um die Schaffung einer öffentlichen Fläche ohne kommerzielle Nutzung.[1]
Aus einer von der Stadt Wien beauftragten Evaluierung des Platzes:
Die in der Umsetzung gemachten Abstriche bezüglich der Gestaltung ergaben sich vorwiegend aus Kostengründen und technischer Machbarkeit (z. B. Asphalt statt Kleinsteinpflaster, erhöhte Baumscheiben oder Beleuchtungsart) und wurden später von einigen Jurymitgliedern kritisiert. In der Öffentlichkeit wurde der neu gestaltete Christian-Broda-Platz vor allemüber den Aspekt der Ästhetik diskutiert. Bei den NutzerInnen führt die trotz der erforderlichen Reduktionen immer noch markante Gestaltung mit ästhetischem Anspruch sowohl zu Zuspruch, aber auch heftiger Ablehnung. [1]
Die Kurzsichtigkeit der damaligen Planung hat dazu beigetragen, dass nach nicht einmal 20 Jahren alles wieder umgebaut werden musste, so groß war die Unzufriedenheit mit dem Platz. Was daraus zu lernen ist: progressive Verkehrsplanung und ästhetisch ansprechende Gestaltung dürfen ruhig etwas kosten, weil sich so langfristig Kosten sparen lassen.
Neue Bäume, neue Pflasterung
2024 wurde der Platz neu gestaltet. Das hat sich verändert:
- 35 neue Bäume (zusätzlich zu sieben bestehenden)
- Mehr als 1.300 Quadratmeter Grünflächen (Kiesbeete)
- Rankgerüste für Kletterpflanzen
- Wasserdüsen, Brunnen
- Helle Pflasterung
- Baulich ausgeführte Radwege in beide Richtungen
Das ist gleich geblieben:
- Weiterhin keine durchgehende Fußgängerzone: Der Platz wird von Straßen durchschnitten.
- Weiterhin viel Platz für den Autoverkehr am Anfang der inneren Mariahilfer Straße (keine Fußgänger- oder Begegnungszone)
- Keine historisierende bzw. „klassische“ Detailgestaltung (Laternen, Mistkübel, Bänke und Bodenbelag im alten Stil, wie etwa in Prag)
Wie auch bei anderen rezenten Umgestaltungsprojekten wurden teilweise massive Einfassungen für die Baumscheiben verwendet.
Die begrünten Flächen sind deutlich größer und freundlicher geworden.
Politik ignoriert Studie
Der Platz wird von mehreren Straßen durchschnitten, zudem ist der danebenliegende Abschnitt der Mariahilfer Straße nicht umgebaut und verkehrsberuhigt worden. Dass auch beim Umbau im Jahr 2024 die Schaffung einer durchgehenden Fußgängerzone über den ganzen Platz hinweg nicht gelungen ist, verwundert.
In der von der Stadt Wien beauftragten Evaluierung von 2011 findet sich eine Grafik, die die häufigsten Gehwege auf dem Platz nachzeichnet. Dabei wird deutlich: Der Platz funktioniert für das Zufußgehen als Einheit. Somit stören die den Platz durchschneidenden Straßen.
Die Millergasse und die Bürgerspitalgasse münden in den Broda-Platz und zerteilen ihn damit. Die Einheitlichkeit des Platzes wird ausschließlich durch die neue Oberflächengestaltung hergestellt. Wie es vielleicht anders gehen könnte und wie die Mariahilfer Straße ein würdiges „Eingangstor“ bekommen könnte, ist in diesem Artikel zu lesen.
Quelle
- [1] Christian-Broda-Platz. Prozess – AkteurInnen – Nutzung. Evaluierung einer Platzgestaltung (tilia – Technisches Büro für Landschaftsplanung, herausgegeben von der MA 18, 2011)
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