Carrer del Consell de Cent: Grüne Achse in Barcelona

Barcelona baut an einem Netz von verkehrsberuhigten und begrünten Straßen und Plätzen. Eine zum Teil schon fertiggestellte Grünachse ist der Carrer del Consell de Cent im dicht bebauten Bezirk Eixample.

verkehrsberuhigte Straße mit vielen Bäumen und Gastgärten
Carrer del Consell de Cent - zwischen Carrer de Viladomat und Carrer del Comte Borrell (Foto: 2025)

Autostraße wird urbane Promenade

Die rund sechs Kilometer lange Straße liegt in jenem Teil Barcelonas, der nach den Plänen des Stadtplaners Ildefons Cerdà im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Charakteristisch für den Bezirk Eixample sind der strenge Straßenraster und die einheitlich großen Häuserblocks mit einer Seitenlänge von je 113 Metern. Die hohe bauliche Dichte bringt einen Mangel an Grünraum und Aufenthaltsflächen mit sich, nach wie vor dominiert der motorisierte Individualverkehr. Der Bezirk „weist die höchste Luftverschmutzung und Lärmbelastung der Stadt auf und hat mit nur 2 m² Grünfläche pro Einwohner den geringsten Anteil an Grünflächen. Darüber hinaus nehmen Fahrzeuge, die nur 20% der Nutzer ausmachen, 60% des Straßenraums ein.“

Nach einem Plan der Stadtverwaltung soll der Bezirk, wie auch andere Teile Barcelonas, künftig von mehreren grünen Achsen durchzogen werden, kombiniert mit Superbocks. Beim Konzept der Superblocks (katalanisch: „Superilles“) werden mehrere Häuserblocks so zusammengefügt, dass im Inneren Platz für Begrünung, Fußgänger und Radfahrer geschaffen und zugleich der Autoverkehr minimiert wird. Details und Hintergründe sind im Artikel über den Carrer de Girona – ebenfalls eine Grünachse – zu finden.

Autostraße wird urbane Promenade

Die Fotostrecke zeigt einige umgestaltete Abschnitte und folgt der Straße von Südwest nach Nordost. 

Aufällig sind die dichte Bepflanzung mit Bäumen und die großen Grünflächen.

Die folgenden Fotos zeigen eine Kreuzung, die zu einem autofreien und begrünten Platz umgestaltet wurde.

Die grüne Achse ist durchgehend gepflastert, auf Asphalt wurde verzichtet.

An etlichen Stellen werden die verkehrsberuhigten Abschnitte durch reguläre Straßen unterbrochen. An diesen Stellen sind die Fußgänger- und Grünflächen bis ganz an die Fahrbahn vorgezogen.

Sitzmöbel für den konsumfreien Aufenthalt sind in regelmäßigen Abständen aufgestellt.

Hier wieder ein Beispiel, wie Begrünung und Fußgängerflächen bei querenden Straßen weit vorgezogen sind, sodass platzartige Erweiterungen des Straßenraums entstehen:

In allen Grünachsen sind diese großen Müllcontainer aufgestellt:

Anstelle einer ehemaligen Straßenkreuzung wurde ein begrünter Platz geschaffen:

Das Radfahren ist in den grünen Achsen gestattet, eine beschränkte Zufahrt ist auch für Kfz möglich.

Eine querende Straße, die die Achse unterbricht:

Die Flächen für Fußgänger und Kfz sind durch den unterschiedlichen Bodenbelag gekennzeichnet:

Lieferverkehr kann auch in die grünen Achsen einfahren:

Die umgebauten Abschnitte zeichnen sich durch eine Vielzahl an Läden und Lokalen aus.

Auch der folgende Park bzw. Platz war ehedem eine Kreuzung zweier Autostraßen:

Die schon zuvor bestehenden Bäume wurden durch Neupflanzungen ergänzt.

Alle in diesem Artikel gezeigten Abschnitte war noch wenige Jahre zuvor asphaltierte Autostraßen.

Hier ein Vergleich, wie sich der öffentliche Raum durch die Umgestaltung verändert hat:

An einer Stelle treffen zwei Grünachsen aufeinander (siehe unten). Diese Kreuzung wurde zu einem großen Platz umgebaut.

Die Kreuzung hat sich binnen weniger Jahre stark gewandelt:

Reguläre Parkplätze gibt es auf den umgestalteten Abschnitten keine.

Hier wieder eine querende Straße, die die grüne Achse an einer Stelle teilt:

Die Bepflanzung mit Bäumen ist so dicht, dass vielerorts geschlossene Kronendächer vorhanden sind, die vor der Sonneneinstrahlung schützen – beim Klima Barcelonas ein wichtiger Faktor. Zugleich wurde auf großflächige Entsiegelung verzichtet. Das ist positiv, denn Grünflächen in der dichten Stadt können nicht betreten werden und würden den Platz für Fußgänger usw. wiederum einengen. Wären die Grünflächen hingegen begehbar, bliebe aufgrund der starken Beanspruchung bald nicht viel mehr als Erde übrig. Die möglichst dichte Pflanzung von Bäumen in Kombination mit gepflasterten Flächen erweist sich als guter Kompromiss zwischen Begrünung und fußgängerorientierter Planung.

Quelle

  • New European Bauhaus Prizes (Europäische Union, 2025)
  • Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind alle Fotos auf dieser Webseite © Georg Scherer / wienschauen.at

WienSchauen.at ist eine unabhängige und nicht-kommerzielle Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum. Sie können mich hier erreichen. WienSchauen hat auch einen Newsletter:

Nach der Anmeldung erhalten Sie ein Bestätigungsmail.