Akkonplatz: Mehr Straße als Platz

Der nahe der Schmelz gelegene Akkonplatz besteht zu einem beträchtlichen Teil aus Parkplätzen und Fahrbahnen. Einen klassischen urbanen Platz sucht man hier vergebens. Wie könnte man das ändern?

Autos auf einem Platz mit Bäumen und alten Häusern in Wien
Akkonplatz (Foto: 2026)

Mehr Parkplatz als Stadtplatz

Wien hatte über Jahrzehnte hinweg kein allzu glückliches Händchen mit der Gestaltung von Plätzen. Eine wie in anderen Ländern lebendige Platzkultur mit Fokus auf Fußgänger und sorgsame Detailgestaltung fehlte vielfach lange Zeit. Die lange Nachkriegszeit, die Bemühungen um die „autogerechte Stadt“ und der Bevölkerungsschwund nach dem Zweiten Weltkrieg scheinen sich in viele öffentliche Räume Wiens eingeschrieben zu haben.

Wenn Stadtplätze als bloße Parkplätze fungieren und Asphalt das bestimmende Mittel der Gestaltung ist, wird die Kluft zu den Anforderungen unserer Zeit besonders deutlich. Heute, wo lebendige öffentliche Räume, belebte Erdgeschoßzonen und Begrünung zentrale Themen geworden sind, rücken die Stadtplätze erneut in den Fokus. Nicht unbedingt, weil sie früher vielleicht einmal so belebt waren wie etwa italienische Innenstadtplätze und der alte, „schöne“ Zustand bloß wiederhergestellt werden müsste. Sondern weil sie Flächen inmitten dichter verbauter Gebiete darstellen, die von der Bevölkerung aktiv genutzt werden können – wenn es denn die Gestaltung und Flächenverteilung zulassen. Es geht also explizit auch um die soziale Funktion solcher Räume.

Auch weniger bekannte Plätze in den Gründerzeitbezirken außerhalb des Gürtels sind dahingehend interessant. Sie sind – oder könnten zumindest – lokale Zentren sein. Orte, an denen man sich trifft, an denen man gerne Zeit verbringt. Orte mit Geschäften, Lokalen und vielleicht sogar temporären Märkten. Auch der Akkonplatz ist ein solcher Platz in einem gründerzeitlich geprägten Viertel. Wie ein klassisch-urbaner Platz wirkt er aber nicht.

Der Akkonplatz liegt nahe der Schmelz und ist nur wenige Gehminuten von der U3-Station Hütteldorfer Straße entfernt. Für den Bezirksteil Neu-Fünfhaus ist er ein durchaus wichtiger lokaler Platz. Mit seinen Bäumen, dem schmalen Fußgängerbereich in der Mitte und den vielen gut erhaltenen Altbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert hat er in jedem Fall Qualitäten, die über eine normale Autostraße hinausgehen. Bislang bleibt sein Potenzial aber weitgehend ungenutzt.

Auf dem Akkonplatz wird viel Fläche für Parkplätze aufgewendet. Für den ruhenden Verkehr steht ungefähr doppelt so viel Platz wie für Grünflächen zur Verfügung.

Verkehrsinsel mit Bäumen

Das Grundproblem des Platzes liegt in der Aufteilung der Verkehrsflächen: Die begrünte Mitte ist durch Fahrspuren und Parkplätze von den Rändern und den Häusern getrennt. Dadurch wirkt der Platz nicht wie ein klassischer zusammenhängender Stadtplatz, sondern wie eine breite Straße, auf der zufälligerweise auch Bäume in der Mitte stehen.

Wo ist Platz am Akkonplatz?

Unter und um die großen Baumkronen des Akkonplatzes liegt kein urbaner verkehrsberuhigter Platz, sondern eine zu einem beträchtlichen Teil von Parkplätzen geprägte Verkehrsfläche.

Karte von Wien
Akkonplatz (Foto: 2025, © Stadt Wien - ViennaGIS)

Fahrbahnen und Parkplätze machen aktuell mehr als die Hälfte der Fläche aus. Für die folgende Berechnung wurde die hier hellrosa markierte Fläche herangezogen.

Im Querschnitt ergibt sich folgende Aufteilung:

Vision für einen Stadtplatz

Mit seinem derzeitigen Überhang an Flächen für den Autoverkehr steht der Akkonplatz beispielhaft für viele Straßen und Plätze in Wien, darunter die Kolingasse und Schottengasse. Sollte es einmal zu einer Umgestaltung kommen, müssen jeder Platz und jede Straße natürlich gesondert betrachtet werden. Doch die wichtigsten Punkte für Verbesserungen sind meist ähnlich: mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr sowie für Begrünung, weniger Platz für den Autoverkehr. Für eine Umgestaltung des Akkonplatzes könnten folgende Punkte überlegt werden:

  • Schaffung einer möglichst großen zusammenhängenden Fläche für Fußgänger
  • Entfernung der Parkplätze
  • Erhalt der Kfz-Zufahrt zu den Gebäuden für Anrainer und Lieferanten (also ein Fahrverbot mit Ausnahmen)
  • Gegebenenfalls Schaffung von Halteplätzen und Grätzl-Ladezonen (für Anrainer, Lieferanten, Umzugsfirmen und dergleichen)
  • Erhalt der Bushaltestelle (Fahrverbot mit Ausnahme für Linienbusse), alternativ Verlegung in eine Nebengasse
  • Verbindung und Vergrößerung der beiden Grünflächen
  • Keine übermäßig großen Flächen für Büsche und Blumenbeete, um nicht unnötig Fläche für Fußgänger zu verlieren
  • Hochwertige Detailgestaltung mit barrierefreier Pflasterung, Straßenlaternen und klassischen Wiener Parkbänken
  • Aktivierung der Erdgeschoßzonen, etwa durch entsprechende Förderungen vonseiten der Stadt

Wie teilweise oder gänzlich autofreie Plätze mit urbaner Begrünung aussehen können, zeigen einige Beispiele aus Barcelona (Fotos unten). Das Geheimnis hinter ansprechender Gestaltung liegt oftmals in der Einfachheit und Einheitlichkeit des Designs. Mit einer zusammenhängenden autofreien Fläche, die attraktiv gepflastert ist, lässt sich oft mehr erreichen als mit einem Übermaß an unterschiedlichem Mobiliar, das kurzfristigen Moden folgt, langfristig aber vielleicht nicht die beste Lösung darstellt.

Quellen

Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind alle Fotos auf dieser Webseite © Georg Scherer / wienschauen.at

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