Die äußere Mariahilfer Straße war lange Zeit das unattraktive Gegenstück zur inneren Mariahilfer Straße. Das ist seit 2025 Geschichte. Der Platz für den Autoverkehr wurde deutlich reduziert, ein breiter Radweg gebaut und neue Grünflächen geschaffen. Eine Planung, wie sie noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.
Die hässliche Hälfte der Mariahilfer Straße
Wird von der Mariahilfer Straße gesprochen, ist meist der Abschnitt zwischen Museumsquartier und Gürtel gemeint. Auf dieser Strecke gelten eine Fußgänger- und Begegnungszone, der öffentliche Raum wurde sukzessive aufgewertet. Außen vor blieb dabei die äußere Mariahilfer Straße, also der Abschnitt im 15. Bezirk ab dem Westbahnhof. Geprägt von fahrenden und parkenden Autos, war hier von Attraktivierung des öffentlichen Raums und weniger Autoverkehr lange Zeit nichts zu sehen. Die Straße und ihr Umfeld konnten bis vor wenigen Jahren sogar als ausgesprochene Negativbeispiele gelten, wie in diesem Artikel festgehalten.
In einer Studie der TU Wien wird die Verteilung der Flächen folgendermaßen beschrieben:
Dem motorisierten Verkehr stehen entlang der äußeren Mariahilfer Straße neben den zwei Fahrstreifen nahezu durchgehend beidseitige Parkstreifen zur Verfügung. Die Straßenbahn verkehrt in Mittellage auf einem eigenen Gleiskörper. Für RadfahrerInnen gibt es Mehrzweckstreifen und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Die Gehsteigbreiten sind für eine Geschäftsstraße mit vielen Geschäften, Lokalen, Schanigärten, etc. – nicht ausreichend. (…) Aufenthaltsflächen, Sitzgelegenheiten sind kaum/nicht vorhanden. [1]
Die Gehsteige waren vor dem Umbau je nach Abschnitt unterschiedlich breit. Richtig schmal waren sie nirgends, von einem attraktiven Boulevard konnte aber auch nicht gesprochen werden. Hauptproblem für den Aufenthalt im öffentlichen Raum stellte sicherlich der Autoverkehr mit seinem Platzbedarf und seinen Lärmemissionen dar.
Das Radfahren auf der äußeren Mariahilfer Straße war vor dem Umbau nur etwas für hartgesottene Radler. Die Infrastruktur beschränkte sich auf zwischen Kfz-Fahrbahn und Parkplätze aufgemalte Streifen. Solche Radverbindungen stellen ein hohes Gefahrenpotenzial dar.
Umgestaltung
Von 2024 bis 2025 wurde der erste Abschnitt, beginnend beim Gürtel, umgebaut. Das hat sich verändert:
- Einbahn für Autos: Entfall der stadteinwärts führenden Kfz-Fahrspur – eine effektive Maßnahme für weniger Autoverkehr und mehr Platz
- Reduktion der Parkplätze – auch das ein Platzgewinn
- Durchgehender, breiter Zweirichtungsradweg
- Getrennt vom Autoverkehr fahrende Straßenbahn (anstatt im Mischverkehr, wo Straßenbahnen leicht ausgebremst werden können)
- 830 Quadratmeter neue Begrünung (Kiesbeete)
- 18 zusätzliche Bäume
- Neue Sitzgelegenheiten
- Breitere, gepflasterte Gehsteige
Geplant und umgebaut wurde unter Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht und Stadträtin Ulli Sima (beide SPÖ). Es erstaunt, dass sich die SPÖ getraut hat, den motorisierten Individualverkehr hier so deutlich einzuschränken, während sie anderswo noch aufs Gaspedal tritt, etwa bei der Stadtstraße im 22. Bezirk. Am Beispiel der äußeren Mariahilfer Straße zeigt die Partei ein anderes Gesicht: Nicht mehr Stillstand in Verkehrsbelangen und die Verteidigung jedes Parkplatzes, sondern die Förderung nachhaltiger Mobilität und die Schaffung ansprechender öffentlicher Räume stehen im Zentrum.
Der breite Radweg ermöglicht das sichere Radfahren auf ganzer Länge. Gefährliche Überschneidungen mit den Straßenbahngleisen gibt es nicht.
Ein immer noch ungelöstes Problem sind die riesigen Schaltkästen, die den öffentlichen Raum allerorten verstellen. Abgesehen vom Design (ginge das nicht auch schöner?) müsste im Fall von Neugestaltungen ernsthaft geprüft werden, inwieweit sich die technische Infrastruktur nicht in den Untergrund verlagern ließe. Zumindest etwas kleiner könnten die Schränke hoffentlich sein.
Quellen
- [1] Äußere Mariahilfer Straße – NEU (TU Wien / Institut für Verkehrswissenschaften / Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, Dipl.-Ing. Dr.techn. Harald Frey / Dipl.-Ing. Benjamin Tschugg, 2022)
- Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind alle Fotos auf dieser Webseite © Georg Scherer / wienschauen.at
WienSchauen.at ist eine unabhängige und nicht-kommerzielle Webseite, die von Georg Scherer betrieben wird. Ich schreibe hier seit 2018 über das alte und neue Wien, über Architektur, Ästhetik und den öffentlichen Raum. Sie können mich hier erreichen. WienSchauen hat auch einen Newsletter:























